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und wenden uns nun der Bekämpfung der(eigentlichen) Tierseuchen zu, die als Kriegstierseuchen für die Schlagkraft der Truppe auch heute im Zeitalter der Motorisierung noch immer eine unter Umständen ausschlag⸗ gebende Rolle spielen können. In erster Linie sind hier zu nennen der Malleus, auch Pferderotz genannt, und die Räude, die mit der menschlichen Krätze vergleichbar ist. Bei beiden Seuchen liegt der Nachdruck in der mög—⸗ lichst frühzeitigen Feststellung der ersten Krankheitsfälle. Die ungeheure Mas— sierung von Pferden in einem modernen Heere führt sonst zu einem derartig lawinenförmigen Anwachsen von Krankheiten, wie sie die Pferderäude in den beiden letzten Jahren des Weltkrieges erfahren hat. Ihr Nachweis wird heute durch die mikroskopische Feststellung der Erreger in den Veterinär— untersuchungsstellen gesichert, an die sich die Truppenveterinäre in allen Verdachtsfällen wenden und auf diese Weise nicht nur Sicherheit darüber erlangen, ob Räude vorliegt oder nicht, sondern zugleich die Grundlage für eine erfolgreiche und dabei für die Pferde doch schonende Behandlung schaffen. Es gibt nämlich beim Pferd drei verschiedene Arten von Räudemilben:
1. die sog. Grabmilben, 2. die Saugmilben und 3. die Lauf- oder schuppenfressenden Milben.
Schon diese Bezeichnungen lassen erkennen, daß es ein großer Unterschied ist, ob eine Milbe sich in die Haut einbohrt und diese dabei zerstört, ob sie nur Stichverletzungen schafft oder ob sie gar als Schuppenfresser ein harmloses Dasein führt. In dem letzteren Falle ist außerdem die Bekämpfung am leichtesten. Auch die Saugmilben machen begreiflicherweise noch lange nicht die Schwierigkeiten wie die gefährlichen Grabmilben, deren Feststellung deshalb für eine Truppe von besonderem Wert ist.
Anders als bei der Räude mit ihren an der Grenze der Sichtbarkeit mit bloßem Auge liegenden Parasiten geht man beim Nachweis des Mal- leus vor, dessen Erreger zu den mikroskopisch kleinen Spaltpilzen gehört. Ihn aus der Masse ähnlicher, in der Natur weit verbreiteter, aber durchaus harmloser Mikroorganismen herauszukennen, ist unmöglich. Auch zeigen die damit infizierten Pferde durchaus nicht immer den schleimig-eitrigen Nasen⸗ ausfluß, nach dem die Krankheit früher benannt worden ist. Vielmehr sieht man den davon befallenen Pferden äußerlich meist nichts an. Es war des⸗ halb der Nachweis eine wissenschaftliche Großtat, daß in solchen Fällen im Blutserum Veränderungen vorgehen, die das Vorhandensein einer Krankheit mit Bestimmtheit anzeigen. Diese Erkenntnis auf die Feststellung des Pferde⸗ Malleus angewandt, bedeutet, daß man mit Hilfe der im Laboratorium vor⸗ genommenen Untersuchung von Blutproben aller unserer Truppenpferde das Vorhandensein sog. latenter oder verborgener Bazillenträger und Bazillen⸗ ausscheider ermitteln kann, lange bevor sie sichtbare Veränderungen ihres Allgemeinbefindens aufweisen. Nicht nur jedes kranke, sondern auch jedes gesunde Heerespferd wird deshalb in dieser Weise untersucht und damit der Ausbreitung dieser, seit der Verwendung des Pferdes noch in keinem Kriege fehlenden Kriegstierseuche ein Riegel vorgeschoben.
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