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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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nahme, soweit sie nicht in den ebenfalls dafür eingerichteten Pferdelazaretten erfolgt, weiterhin zu den Obliegenheiten der Veterinäruntersuchungsstellen gehört.

Trotz der zunehmenden Motorisierung unseres Landheeres ist der Be darf an Heerespferden im Vergleich zu früheren Kriegen nicht geringer, sondern eher noch größer geworden. Wir müssen daher, solange Pferde in größerem Umfang nicht vom Ausland eingeführt werden können, zur Siche⸗ rung des Pferdenachschubes mit unserem, durch die Landwirtschaft in starkem Maße gebundenen heimischen Pferdebestand sehr haushälterisch verfahren. Vor allem darf kein Fohlen der Nachzucht verloren gehen. Deshalb werden alle trächtigen Stuten aus den Truppenbeständen herausgezogen und im Austausch gegen nichtträchtige Pferde der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt. Je früher die Trächtigkeit erkannt wird, desto geringer sind die Verluste an Verfohlen, die nicht so sehr die kämpfende Truppe als vielmehr die Heimat treffen, die zur Bestellung der Felder und zum Einbringen der Ernte, also zur Sicherung der Lebensmittelversorgung aus der eigenen Scholle, auf die Aufrechterhaltung eines sowohl zahlenmäßig als auch qualitativ aus⸗ reichenden Pferdebestandes angewiesen ist. Sie muß deshalb, wie dies der Bauer auch in allen anderen Dingen zu tun gezwungen ist, auf lange Sicht vorsorgen, zumal der Aufbau einer bodenständigen Pferdezucht ein Menschen alter benötigt. Dabei kommt ihr die Wehrmacht zu Hilfe, indem sie nicht nur bei der Aushebung auf Zuchttiere Rücksicht nimmt, sondern auch mit den modernsten Mitteln der Trächtigkeitsfeststellung aus der Zahl der eingezogenen Pferde die trächtigen Stuten ausfindig macht. Dies geschieht durch den Nachweis der Trächtigkeitshormone im Blut und Harn von Stuten, der in den Veterinäruntersuchungsstellen geführt wird, wenn die Möglichkeit besteht, daß eine Begattung erfolgt ist oder trächtige Stuten eingezogen worden sind. N

So ist die Tätigkeit der Veterinäruntersuchungsstellen eine sehr viel⸗ seitige und umfaßt alle, den Pflichtenkreis des Veternäroffiziers betreffenden Wissensgebiete, angefangen beim Schutz der menschlichen Gesundheit und der davon abhängigen Erhaltung der Schlagkraft unserer Truppen auch da, wo nicht das Pferd im Vordergrund des Interesses steht. Gerade die motori sierten Truppen bedürfen zur Gewährleistung ihrer körperlichen und geistigen Spannkraft einer sehr sorgfältigen Ernährung, wobei natürlich die ani⸗ malischen Lebensmittel in Bezug auf ihren Nährwert, aber auch hinsicht⸗ lich der Gefahren in gesundheitlicher Beziehung, obenan stehen. Bei bespannten Divisionen tritt zum Menschen das Pferd, dessen Gesunderhaltung die haupt⸗ sächlichste Aufgabe der Truppenveterinäre ist. Ich habe geschildert, wie ihnen dabei die Veterinäruntersuchungsstellen helfend zur Seite stehen. Während aber der Soldat an der Front den Blick auf den Feind gerichtet hält, bilden die der Truppe auf ihrem Vormarsch folgenden Veterinäruntersuchungsstellen zugleich das Filter für die nach der Heimat zurückgehenden Pferde und schützen nicht nur die Wehrmacht, sondern auch das Reich vor den Seuchen gefahren des Feindeslandes. Sie stellen damit die Verwirklichung dessen dar, was unseren Truppen in diesem Kriege das Gefühl unbedingter Über⸗ legenheit gibt, nämlich den Einsatz nicht nur aller militärischen, sondern auch der wissenschaftlichen Machtmittel für den Sieg unserer Waffen.