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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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verhütet werden; die auch bei äußerlich gesund erscheinendem Schlachtvieh häufig feststellbare Tuberkulose bedarf einer besonders sorgfältigen, fach männischen Begutachtung. Sie erfolgt in dem Schlächtereizug der Division, der von einem in der Lebensmittelüberwachung erfahrenen Tierarzt geführt wird und somit die kleinste Verpflegungseinheit unseres Landheeres darstellt. Vor allem soll auf diese Weise aber auch die Schlach tung von krank erscheinendem oder abgetriebenem Vieh verhindert werden, dessen Fleisch nicht nur in seiner Haltbarkeit beschränkt ist, sondern häufig die Ursache von Gesundheitsstörungen bildet, die man als Fleischvergiftung bezeichnet. Sie besteht in der Übertragung von Keimen auf den Menschen, die bei den verschiedensten Tierarten vorkommen und normalerweise für sie keine Gefahr bilden. Wenn aber die Widerstandskraft des Körpers geschwächt ist, können sie vom Darme aus in den Tierkörper eindringen und nicht nur die Organe, sondern auch das Fleisch durchsetzen.

Hier springen nun zum ersten Mal die Veterinäruntersuch⸗ ungsstellen ein, indem sie durch Vornahme der bakteriologischen Fleisch⸗ beschau in allen Zweifelsfällen die Genußfähigkeit des Fleisches sicherstellen. In Fällen, in denen Fleischvergifter festgestellt werden, gestattet die Be⸗ stimmung der Krankheitskeime die Auffindung des Krankheitsherdes und nicht selten die Aufdeckung von Zusammenhängen, die einer seuchenhaften Aus⸗ dehnung von Typhus oder typhusähnlichen Erkrankungen unter den betroffe⸗ nen Einheiten vorbeugen. Werden aber durch die bakteriologische Unter⸗ suchung Fleischvergifter nicht festgestellt, so bleiben der Truppenverpflegung und damit letzten Endes auch der deutschen Volkswirtschaft wertvolle Nah rungsmittel tierischer Herkunft erhalten. Es handelt sich dabei nicht nur um das eigentliche Fleisch, das in den Feldküchen zur Bereitung der warmen Mittagskost ausschließlich Verwendung findet. Der Weltkrieg hat uns gelehrt, den Tierkörper in viel weitergehendem Maße für die menschliche Ernährung auszunutzen, als dies in irgendeinem anderen Lande der Fall ist, und es gibt außer den als unappetitlich geltenden Geschlechtsorganen, den Augen, der Haut und den Haaren nichts, was nicht zur Herstellung von Fleischwaren Verwendung finden könnte. Schon in Friedenszeiten ist der Deutsche ge wöhnt, ungefähr ½ seines Fleischbedarfs in Form von Wurst und Wurst⸗ waren zu sich zu nehmen, um auf diese Weise die seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts mehr und mehr in den Vordergrund der menschlichen Ernäh rung getretene Fleischkost abwechslungsreicher zu gestalten.

Auf diese Gewohnheit braucht auch der Soldat im Felde nicht zu ver⸗ zichten. Armeeschlächtereizüge sorgen dafür, daß die in den Divi⸗ sionsschlächtereien anfallenden Innereien, wie Leber, Milz, Nieren, das sog.

Geschlinge und, wenn möglich, auch das Blut verarbeitet werden und daß alles, was nicht zum menschlichen Genuß tauglich ist, wenigstens noch eine technische Verwertung in den ebenfalls der Truppe folgenden Tier- körperverwertungsstellen findet. Auf diese Weise ist dafür ge⸗ sorgt, daß nichts von dem, was die Heimat der Front an Schlachttieren liefert, verloren gehen kann. Außerdem ist durch die Herstellung von längere Zeit haltbaren Wurst- und Fleischwaren eine gewisse Vorratswirt⸗ schaft auch an der Front möglich geworden, wodurch die Heimat gegenüber