Das Neuartige dieses Krieges besteht darin, daß er unter Einsatz aller wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften geführt wird. Nach außen tritt nur die zerstörende Wirkung dieser über alles Vorstellungsvermögen hinaus gesteigerten und doch von dem Menschen gebändigten Kräfte in die Erscheinung. Auch wer sie nicht in der vordersten Front unmittelbar erlebt, kann sich an Hand von Kriegsberichten und bildlichen Darstellungen eine Vorstellung davon machen. Man muß aber schon hinter die Kulissen schauen und einen Blick in die komplizierte Maschinerie eines modernen Heeres werfen, um die erhaltenden Kräfte zu sehen, die am Werke sind, um die Schlagkraft der kämpfenden Truppe sicherzustellen. Die zur Vernichtung des Feindes aufgewendeten Energien müssen nicht nur in Form der dazu erfor— derlichen Munition wieder erzeugt werden; das Entscheidende ist heute wie— der mehr denn je der Mensch, der nur so lange Beherrscher der komplizierten Kriegsmaschinerie bleibt, als er über die dafür notwendigen körperlichen und vor allem geistigen Kräfte verfügt.
Wer etwas leisten will, muß essen, ist ein altes Sprichwort. Es gilt auch in einem modernen Krieg, der von dem Soldaten eine ungeheure Intensivierung der Arbeitsleistung und eine Nervenanspannung von nie ge— kanntem Ausmaß verlangt. Nervennahrung ist aber Eiweiß und zwar hoch— wertiges tierisches Eiweiß. Deshalb beträgt die Fleischration des Feldsoldaten 160 g täglich, also doppelt soviel, als dem Zivilisten zusteht, und als der erwachsene Mensch als Ersatz für die verbrauchte Zellsubstanz bedarf, wäh— rend die dem Pflanzenreich entstammenden Nahrungsmittel wegen ihres hohen Gehaltes an Kohlehydraten in erster Linie den Brennstoff für die Körpermuskeln liefern. Die Grundlage hierfür bildet das in den Feld— bäckereien hergestellte Kommißbrot, mit dem sich aber der Soldat heute noch weniger als zu Wallensteins Zeiten begnügt. Man kann den auf eine nicht allein hochwertige, sondern auch vielseitige Kost angewiesenen Sol— daten noch weniger den Zufälligkeiten der Nahrungsbeschaffung im Feindes— land preisgeben, wie dies in früheren Kriegen der Fall war. Hunger und Krankheiten würden in den modernen Millionenarmeen in viel größerem Ausmaße, als dies die Kriegsgeschichte der vergangenen Jahrhunderte zeigt, wo die Zahl der aufgebotenen Soldaten doch viel geringer war, den Ausgang der Kampfhandlungen beeinflussen.
Im Gegensatz zu den feindlichen Armeen, die ihre Truppen überwiegend mit Konserven ausländischer Herkunft verpflegen und damit der Sorge um die Gesunderhaltung ihrer Soldaten enthoben sind, steht in der Versorgung des deutschen Soldaten der Frischfleischverzehr mit ungefähr/ des Gesamt— verbrauchs an Fleisch obenan. Dies bedeutet, daß zur Verhütung von Ge— sundheitsschädigungen und der Außergefechtsetzung kleinerer oder größerer Trup⸗ penverbände eine sorgfältige Gesundheitskontrolle des Schlachtviehs vor und nach der Schlachtung, also eine sachgemäße Schlachtvieh- und Fleischbeschau vorgenommen werden muß. Bandwurmerkrankungen und Trichinose müssen


