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Schraders(18) in dem Sinne beantwortet, daß die Aschenbestandteile in den Pflanzen durch die Vegetation gebildet würden und keine Nahrungs⸗ mittel der Pflanzen darstellten.
Im Jahre 1838 wurde seitens der Universität Göttingen folgende Preis⸗ frage gestellt:„Sind die sogenannten unorganischen Elemente, die in der Asche der Pflanzen gefunden werden, auch dann vorhanden, wenn sie den⸗ selben nicht dargeboten werden, und sind jene Elemente so wesentliche Be⸗ standteile des vegetabilischen Organismus, daß dieser sie zu seiner völligen Ausbildung bedarf?“ Der Preis wurde im Jahre 1842 Wiegmann und Polstorff(19) zuerkannt, deren Antwort auf Grund einer experimen⸗ tellen Beweisführung folgendermaßen lautet:„Das Wachstum der Pflanzen wird sehr behindert und fast ganz unterdrückt, sobald eine gewisse Menge von unorganischen Bestandteilen in aufgelöstem Zustand im Boden zugegen ist.“ Die von den beiden Forschern durchgeführten Versuche waren bereits auf einer derart exakten Grundlage zur Ausführung gelangt, daß sie auch von unserem heutigen Gesichtspunkt aus als völlig einwandfrei bezeichnet werden müssen.
Will man den Verdiensten Liebigs(18031873) gerecht werden, so ist es notwendig, darauf hinzuweisen, daß er manche Vorgänger hatte, die in der Frage der Bedeutung der Mineralstoffe für die Ernährung der Kulturpflanzen mehr oder weniger klar sahen, es aber nicht vermochten, ihre Ansichten zu verbreiten. Besonders zwei Männer sind in dieser Hin⸗ sicht zu erwähnen, nämlich Rückert(20) und Sprengel(21). Beide standen in ihren Ansichten über die Ernährungsverhältnisse der Pflanzen weit über den Forschern ihrer Zeit und hatten richtige Begriffe über die Bedeutung der Mineralstoffe; besonders Rückert bekämpfte schon die Hu⸗ mustheorie.
Im Jahr 1840 erschien das klassische Werk von Liebig:„Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie“, in dem er gegen die Humustheorie auftrat und sie endgültig vernichtete. In dieser Schrift ent⸗ wickelte Liebig die Grundsätze seiner Pflanzenernährungslehre, die wegen ihrer Bedeutung für die spätere Zeit wörtlich angeführt seien:„Die Nah⸗ rungsmittel aller grünen Gewächse sind anorganische Substanzen. Die Pflanze lebt von Kohlensäure, Ammoniak(Salpetersäure), Wasser, Phosphor⸗ säure, Schwefelsäure, Kieselsäure,“) Kalk, Magnesia, Kali und Eisen; manche bedürfen Kochsalz.“ Obwohl nach Liebig den Pflanzen in der Luft ein unerschöpflicher Vorrat an Kohlensäure zur Verfügung stehe, glaubte er, daß ein Vorrat an Humus, der fortwährend Kohlensäure darbietet, sehr vorteilhaft sei. Da die Kohlensäure die Verbindungen der Alkalien angreife, sie auflöse und damit den Vorrat an mineralischen Nährstoffen vermehre, sei der Humus für die Lieferung von Kohlensäure sehr wertvoll. Liebig stellte weiterhin den Satz auf, daß die Ernte in genauer Proportion zu der Verminderung oder Vermehrung der dem Boden als Düngung zugeführten mineralischen Bestandteile falle oder steige, eine Behauptung, die in dieser Form weit über das Ziel hinausschoß und insbesondere von Lawes(22)
) Heute wissen wir, daß die Kieselsäure kein unbedingt notwendiger Pflanzennähr⸗
stoff ist.


