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Pflanzenphysiologie schaffend, bedeutende Entdeckungen über den gesamten Stoffwechsel der Pflanzen gemacht. Leider hielt ihre Zeit noch immer an der Annahme fest, daß der Humus die Kohlenstoffquelle der Pflanzen bilde. Ingen⸗Housz war sich bereits klar darüber, daß alle Pflanzenteile immer⸗ fort Sauerstoff verwerten und Kohlensäure bilden, daß jedoch die chloro⸗ phyllhaltigen Organe unter Mitwirkung des Lichtes umgekehrt Kohlensäure aufnehmen und Sauerstoff abgeben.
Während Senebier noch meinte, nur die im Bodenwasser gelöste Kohlensäure käme als Nährstoff in Betracht, zeigte Saussure durch seine quantitativen Bestimmungen, daß die Landpflanzen ihren Kohlenstoffbedarf aus der Luftkohlensäure decken. Seine Aschenanalysen belehrten ihn, daß zwischen Aschenzusammensetzung und Entwicklungszustand der Pflanzenteile wichtige Beziehungen bestünden und daß es der Pflanze nicht auf organische Nahrung im Boden ankäme, sondern auf die im Boden gelösten Aschen⸗ stoffe. Boussingault(1802-1887)(16) stellte fest, daß die Pflanzen nicht imstande sind, den freien Stickstoff der Luft zu assimilieren, daß jedoch eine normale Vegetation auftritt, wenn der Stickstoff in Form von Nitraten gereicht wird. Er bewies, daß trotz Ausglühens des Bodens und damit erzielter Entfernung jeder Spur organischer Substanz eine normale Ent⸗ wicklung der Pflanzen möglich ist, falls man den Aschenbestandteilen ein Nitrat zusetzt. Er zeigte damit, daß der gesamte Kohlenstoffbedarf der Pflanze aus der Kohlensäure der Atmosphäre stammt und der Humus dabei keine Rolle spielt, die Vorteile eines humusreichen Bodens somit auf anderem Gebiet liegen müßten, als auf dem von der Humustheorie behaupteten.
Der Hauptvertreter der Humustheorie war Albrecht Thaer(1752 bis 1828)(17), dessen bedeutungsvolles Werk„Grundsätze der rationellen Landwirtschaft“ zwar wichtig für die praktische Landwirtschaft gewesen ist, für die Agrikulturchemie aber gegenüber den Arbeiten von Saussu re keinen Fortschritt brachte; für ihn waren die anorganischen Substanzen nur Reiz⸗ mittel, jedoch keine für die Pflanzenentwicklung unentbehrlich wichtigen Stoffe. Nach Auffassung der Humustheorie ist es neben dem Wasser einzig und allein der Humus, der die Nahrung für die Pflanzen darstelle, während die Mineralbestandteile keine wesentliche Rolle spielten. Diese Anschauung leuchtete der damaligen Zeit umsomehr ein, als nach den erfahrungsgemäßen Beobachtungen die Fruchtbarkeit eines Bodens vom Humus abzuhängen schien. Man schloß daraus, daß durch das Pflanzenwachstum der Humus im Boden aufgezehrt würde. Fruchtbarkeit des Bodens wurde daher mit Humusgehalt gleichgesetzt, und die Verarmung an Humus wurde als Haupt⸗ ursache des Unfruchtbarwerdens eines Bodens angesehen. Nach der Humus⸗ theorie war es der eigentliche Zweck der Düngung, den Boden an humus⸗ bildenden Stoffen, somit pflanzlichen und tierischen Produkten, anzureichern.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde von der Berliner Akademie der Wissenschaften eine Preisaufgabe folgenden Wortlauts gestellt:„Von welcher Art sind die erdigen Bestandteile, welche man durch Hilfe der chemischen Zergliederung in verschiedenen inländischen Getreidearten findet? Treten diese in solche ein, wie man sie darinnen findet, oder werden sie durch die Lebenskraft und durch die Wirkung der Hilfsmittel zum Wachstum gebracht?“ Diese Frage wurde im Jahre 1799 von der mit dem Preis gekrönten Arbeit


