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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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Zu großer Bekümmernis gereichte den militärisch Verantwortlichen die Tatsache, daß man auf Schiffen und darüber hinaus in der Industrie über⸗ haupt zum Olbetrieb übergegangen war, die gute Kohle aber, von der genug im Land ist, verachtet und die Bergleute arbeitslos gemacht hatte. Sie beurteilten diese Maßnahme als Frevel und Anschlag auf die Sicherheit von Weltreich und Mutterland, als Gefahr im Ernstfalle, mochten auch die Teil⸗ haber am Petroleumhandel sich hoher Gewinne erfreuen, die alljährlich aus⸗ geschüttet wurden. Als Mexiko im März 1938 seine Olquellen nationalisierte, war den Männern der britischen Admiralität buchstäblich die Nachtruhe ge raubt. Dieser Schritt verursachte ein Albdrücken. Sie härmten und plagten sich, erwogen die Folgen. Es war in den Tagen, wo der Anschluß Ssterreichs vollzogen wurde. Alles Geschrei darüber in der englischen Presse diente ihnen zu willkommener Tarnung der Hauptsorge um den Treibstoff.

Sachverständige und Fachleute beschlich alsdann eine rechtschaffene Be⸗ klemmung beim Anlauf jener verblendeten Einkreisungspolitik. Denn sie nahm keinerlei Rücksicht auf Leistungsgrenzen der britischen Wehr macht, der, wahl- und bedenkenlos, zusätzliche Aufgaben gestellt wurden, die weit über ihre Kräfte gingen. Die Sicherung oder Offenhaltung der Handelswege und Zufahrtstraßen sei ihre erste Pflicht; sie spanne das Verteidigungswesen zur See schon gewaltig an. Mit jenen Beistandserklä⸗ rungen aber und Garantieversprechungen mute man der Flotte Unmögliches zu und lege ihr Lasten auf, die nicht mehr tragbar sind. Das Mißverhältnis von Staatsführung und Kriegskunst sei offenbar. Statt aufeinander abge⸗ stimmt zu werden, oder Hand in Hand zu gehen, sprengten Politiker und Strategen auseinander nach entgegengesetzter Richtung. Es sei auch er innert daran, daß nach englischen Gepflogenheiten die Männer der Wehr macht zu Wasser oder Land kein Recht haben, sich politisch zu betätigen, um gegebenenfalls ihrer besseren Einsicht Geltung zu verschaffen. Soldaten ziehen hier immer den Kürzeren! Sie können sich nicht einmal ver wahren gegen Verunglimpfungen durch beliebige Parlamentsmitglieder und müssen jeden Anwurf einstecken. Bis in den Sommer 1939 hinein erfüllte sie ein Bangen davor, daß es dem Ehrgeiz eines Winston Churchill wieder gelänge, sich an die Spitze der Admiralität zu schieben. Denn der Mangel an fachlicher Eignung sprang ins Auge. Das Trauerspiel an den Dardanellen und andere Proben der Befähigung belasteten seinen Leu⸗ mund. Unter dessen Oberleitung nun haben die Befehlshaber der Schiffe nur Angst vor Dummheiten und Zweifel am Waffenglück. Sie fühlen sich im Banne einer Unbesonnenheit, die ausplaudert, und immer wurde geklagt über die Beschränktheit seines Blickes. Mit Unbehagen sehen sie der Ent scheidung entgegen, und der Unmut gereicht zum Nachteil in der Auseinander⸗ setzung, die bevorsteht. Wie leichtfertig dieser Krieg von England erklärt wurde, unter Bedingungen, die höchst ungünstig waren, das alles wird nach seiner Niederlage noch offenbar werden, auch Wirrwarr, Durcheinander und Verlegenheiten in ihrem ganzen Ausmaß.

Schon im Hinblick auf Aussichten und Anlage eines etwaigen Krieges hatte sich innerhalb der britischen Führung längst die Erkenntnis durchgesetzt, daß auf den Angriff zu verzichten sei und nur der Verteidig⸗