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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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wirtschaftlichen Maschinen und dergleichen mehr wird folgen, und zu der Lieferung aller dazu nötigen Materialien ist das Deutsche Reich in der Lage. Dazu kommt noch als Ausfuhr geistigen Kapitals die Summe der Erfahrungen der Deutschen Landbauwissenschaften und der Technik.

Was für den Ackerbau gilt, hat auch für die Viehzucht Bedeutung. Auch hier ist eine Steigerung der Zahl wie der Qualität möglich, die mit einem intensiveren Anbau Hand in Hand gehen wird. Dies gilt vor allem für die Rindviehzucht, die durch den Futteranbau eine breitere Ernährungs⸗ basis findet, während die Schafzucht in den Südostländern zur Weide teil⸗ weise auf die Brachfelder angewiesen ist. Diese, sowie das zum Teil noch nicht kultivierte Land werden im Zuge einer Intensivierung des Ackerbaues aller dings langsam verschwinden, so daß die Weiden für die Schafzucht in den einzelnen Ländern zurückgehen werden. Ist doch im Deutschen Reich durch die Intensivierung des Ackerbaues und den Wegfall des Brachlandes der Schafbestand von 20 Millionen auf 4 Millionen zurückgegangen. Diese Einschränkung gilt aber nicht für die reinen Steppengebiete Rußlands und die Gebirgsweiden des Balkans.

Eine Steigerung der Agrarproduktion bringt wenigstens insoweit, als dadurch Neuland kultiviert wird, eine gewisse Aufnahmefähigkeit der über⸗ schüssigen ländlichen Bevölkerung, wie diese beim Vorherrschen des Groß grundbesitzes durch Aufteilung gewonnen wird.

Die Steigerung der Agrarproduktion ergibt die Frage, ob die Mehr erzeugung vom Auslande voll und zu günstigem Preis aufgenommen werden kann. Die Frage ist immerhin zu stellen, wenn auch nicht zu fürchten ist, daß die Produktionssteigerung überaus schnell diese Höhe erreicht, da sie ja auch in höher kultivierten Ländern eine bestimmte Zeit brauchte. Da aber schon eine geringere Steigerung eine Überproduktion bedeuten kann, ist dies immerhin zu berücksichtigen. Ein Teil der Mehrerzeugung wird allerdings bei einer gesteigerten Viehhaltung verbraucht, die zwar auch wieder auf den Auslandsabsatz angewiesen ist.

Aber davon abgesehen, braucht sich die agrarische Intensivierung nicht allein auf die bisherigen Kulturpflanzen zu erstrecken, sondern es hat sich im Laufe der letzten Jahre teilweise eine Umstellung im Anbau geltend gemacht und zwar zugunsten von Erzeugnissen, für die gerade auch das Deutsche Reich als Abnehmer in Frage kommt. Hierhin gehört der verstärkte Anbau von Futtermais an Stelle von Weizen, der Anbau von Baumwolle in Rumänien, Bulgarien und Südrußland, der Anbau der Sojabohne in Rumänien, ferner zur Oelgewinnung die Erzeugung von Sonnenblumen⸗ kernen, Kürbiskernen und anderen pflanzlichen Oelen. Hierdurch werden Ausfuhrprodukte geschaffen, für die das Deutsche Reich Abnehmer ist. Als Gegenleistung werden vom Deutschen Reich, wie schon oben erwähnt, Dünge mittel, Saatgut, landwirtschaftliche Maschinen und dergl. geliefert, wie jede Art von Industriewaren. Der Anbau von Baumwolle, Oelsaat und anderet Produkte wird auch der agrarischen Übervölkerung steuern, weil mehr Ar beitskräfte benötigt werden, da diese Produkte nur teilweise eine maschinelle Bearbeitung gestatten, also auf Handarbeit angewiesen sind.