Zeitung 
Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
Einzelbild herunterladen

100

Allmählich wird auch eine stärkere Industrialisierung in den Ost⸗ staaten, die jetzt noch vorwiegend agrarisch sind, Platz greifen. Allerdings ist außer in der Sowjetunion und den inzwischen vom Deutschen Reich be setzten oder unter Protektorat genommenen Teilen die Kohlen⸗Eisenbasis schwach, so daß für eine Schwerindustrie wenig Aussicht vorhanden ist. Die Industrieausfuhr spielt bislang eine geringe Rolle. Finnland führt außer Holz auch Holzwaren, Papier und Zellulose aus, Ungarn Maschinen und elektrische Apparate. Bei Steigerung der agrarischen Produktion können aber Aufbereitungs- und Veredelungsindustrien weiter ausgebaut werden oder deren Hilfsindustrien. Ein Aufbau von Industrien kann m. E. den ländlichen Übervölkerungsdruck noch weiter abbauen, wie dies schon durch die Steige rung der Agrarproduktion und deren teilweise Umstellung auf neue Aus⸗ fuhrprodukte geschehen wird. Sie wird die städtische Bevölkerung stärker anwachsen lassen, mit vielseitigeren und größeren Bedürfnissen an allge meiner Kultur. Der Außenhandel und damit auch die Einfuhr aus dem Deutschen Reich nach den Ostländern braucht sich durch einen solchen lang samen Strukturwandel der Ostländer in keiner Weise zu verringern.

Schon jetzt im Kriege wirkt sich der Handel mit den Oststaaten über aus günstig aus! Wir können in unserer Ernährung uns fast ganz auf die Oststaaten stützen, wenn wir von einigen Genußmitteln und tropischen Produkten absehen.

Es war einer der größten, politischen Erfolge des Führers, daß bei dem Kesseltreiben der Westmächte gegen uns Rußland neutral blieb und uns vertraglich mit Lebensmitteln und Rohstoffen unterstützt. Damit war mit einem Schlage unser Rücken frei, denn die übrigen Staaten im Osten Europas machen, nachdem Polen niedergeworfen war, im Süden nur 55 Millionen und im Norden nur 9 Millionen Bewohner aus. Rußland und das Großdeutsche Reich mit den niedergeworfenen Staaten umfassen aber 245 Millionen Einwohner, und nach der eee Polens sind Kohle und Eisen bei uns und Rußland. Die Stellung der d Oststaaten wurde nach dem Bündnis mit Rußland eindeutig. Die Freundschaft mit Italien war von günstiger Wirkung auf den ferneren Südosten Europas.

Wir kämpfen um unsere Existenz und um unser Lebensrecht. Wer das vergessen hat, lese das Diktat von Versailles. Kein Staat in Europa hat soviele Nachbarn wie Deutschland. Dies wird auch nach dem Kriege der Fall sein und ist das Schicksal unserer Lage in Mitteleuropa. Aber durch den Krieg und die friedliche Rückgliederung deutschen Gebietes zum Reich und die Schaffung der Protektorate Böhmen und Mähren sind wir mit unseren Grenzen nach Osten vorgeschoben und haben die Ungunst schmaler Vorposten wie Ostpreußen und Schlesien beseitigt. Das Reich hat bei grö ßerem Umfang eine wesentlich gerundetere Form und damit günstigere und relativ kürzere Grenzen. Wir füllen günstiger denn je unseren mitteleuro päischen Raum aus und können die Vorteile dieser Lage wahrnehmen.

Im Jahre 1937 gingen von unserer Ausfuhr rund 31 v. H. nach Übersee und 69 v. H. nach Europa. Betrachten wir die Ausfuhr nach den europäischen Staaten allein und setzen sie gleich 100 Teilen, so gehen nach den Ostländern nur 31 Teile, trotzdem die Bevölkerungszahl der Ostländer