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Auf die Frage, ob nun das Deutsche Reich den vielleicht durch die Umlenkung verursachten Ausfall in der Zufuhr von fremden Staaten nach den Ostländern decken kann, kann man ebenfalls antworten, daß dies sicher zum großen Teil für viele Industriewaren geschehen kann. Es wird auch für Rohstoffe der Fall sein, soweit es sich um synthetische Stoffe handelt, deren Erzeugung in Deutschland qualitativ und quantitativ im Steigen ist. Für gewisse tropische Produkte ist aber eine Einfuhr aus außereuropäischen Gebieten nötig. Diese muß immerhin mit irgendwelchen Ausfuhrwaren von den Ostländern bezahlt werden. Es läßt sich aber die Ausfuhr der Ost⸗ länder ganz erheblich steigern, wenn die agrarische Produktion gehoben wird. Dies ist absolut möglich, und mit einer Steigerung der Agrarproduktion wären auch die Grundbedingungen für die Beseitigung der agrarischen Über⸗ völkerung der Ostländer gegeben. Daß die Agrarproduktion steigerungs⸗ fähig ist, wird leicht offensichtlich, wenn wir den Hektarertrag der beiden wichtigsten Getreidearten, des Weizens und des Roggens, betrachten. Weizen liefert im Deutschen Reich im Durchschnitt 22,6 Doppelzentner je Hektar und Roggen 16,6 dz. In Griechenland, Polen, Rumänien, Rußland, Jugo⸗ slawien bleibt dagegen der Hektarertrag für Weizen unter 11 dz je Hektar, in Ungarn beträgt er 13,0 dz. Der Roggenertrag ist etwas höher, bleibt aber auch um ein Viertel bis ein Drittel unter dem deutschen Ertrag zurück. Wir wissen, welche Steigerung der Hektarerträge im Deutschen Reich durch die künstliche Düngung erzielt wurde, und in der künstlichen Düngung sind die Ostländer noch rückständig. Sie verwendeten zusammen im Mittel nur rund 4% des Kunstdüngers, der 1937 im Großdeutschen Reiche verbraucht wurden. Deutschland ist in der glücklichen Lage, für die künstliche Düngung in seinem heimischen Boden Kalisalze zu besitzen, einen Teil seines Bedarfs an Thomasmehl bei der Verhüttung seiner Eisenerze zu gewinnen und die Verfahren erfunden zu haben, den nötigen Stickstoff aus der Luft zu be⸗ schaffen. Mögen auch nicht alle Gebiete der Oststaaten in den Bedingungen des Bodens und Klimas so günstig gestellt sein wie das Großdeutsche Reich — manche Gebiete sind auf jeden Fall auch besser— so ließe sich der Hektarertrag der Ostländer bei stärkerer Verwendung des Kunstdüngers dennoch erheblich steigern, und es ist wohl auch keine Frage, daß dieser Mehrertrag die Verwendung von Kunstdünger bezahlt machen würde, be— sonders wenn eine stärkere Verkehrserschließung und Ausfuhrmöglichkeit damit Hand in Hand ginge. Schon wenn z. B. allein Ungarn, Polen, Ru⸗ mänien und Rußland ihren Hektarertrag für Roggen auf den Anbauflächen von 1937 um nur einen Doppelzentner je Hektar steigern würden, machte dieser Mehrertrag etwa das Fünffache ihrer jetzigen Ausfuhr an Roggen aus, die schon bei nicht gesteigertem Ertrag den deutschen Einfuhrbedarf bei einer Lenkung der Ausfuhr nach dem Deutschen Reich decken kann.
Zur Lieferung der künstlichen Düngemittel war das Deutsche Reich schon 1937 in der Lage, und eine Steigerung der Ausfuhr wäre sicherlich möglich, besonders wenn für den Transport billige Wasserwege zur Ver— fügung stehen. Neben der künstlichen Düngung ist natürlich auch eine In⸗ tensivierung und Modernisierung der Landwirtschaft nötig. Die Einführung von Saatzucht für das Getreide, die Verwendung von ertragreichen Sorten, von chemischen Pflanzenschutzmitteln, von modernen Ackergeräten und land⸗


