Zeitung 
Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
Einzelbild herunterladen

ist, erklärt sich aus dem wesentlich niederen Lebensstandard der dortigen Bevölkerung. Dieser ist nicht allein in der Ernährung einfacher, sondern vor allem auch in Wohnung, Kleidung und anderen Kulturgütern. Diese Feststellungen sind für die späteren Betrachtungen wesentlich und zeigen schon jetzt, daß die Ostländer, so wie sie in ihrer wirtschaftlichen Struktur jetzt vor uns liegen, nicht ohne weiteres Gebiete sind, bei denen es nur des Anstoßes bedarf, daß die gegenseitigen Handelsbeziehungen zwischen ihnen und dem Großdeutschen Reich einen größeren Umfang als bisher ein⸗ nehmen. In den Hststaaten war zudem die Geburtenzahl fast doppelt so groß wie in Mittel- und Westeuropa, und trotz einer etwas höheren Zahl der Sterbefälle war der Geburtenüberschuß im Osten mindestens doppelt so groß.

Zur Beantwortung der Frage, inwieweit eine Wirtschaftsharmonie zwi⸗ schen dem Großdeutschen Reich und den Ostländern hergestellt werden kann, stellen wir zuerst fest, welche Handelsbeziehungen, vor allem welcher Waren austausch zwischen den beiden Räumen im Jahre 1937 stattfand. Dieses Jahr müssen wir der Betrachtung zugrunde legen, da es uns die Gebiete noch unverändert zeigt und eine vergleichbare Statistik besitzt. Das Deutsche Reich bezog damals aus den Ostländern für seine Ernährungswirtschaft an pflanzlichen und tierischen Produkten/ und an gewerblichen Erzeugnissen % des Wertes seiner Gesamteinfuhr. In diesem Fünftel waren enthalten: an Rohstoffen 14,3% des Wertes der deutschen Gesamteinfuhr, an Halbwaren 24,6% und an Fertigwaren 25,0 00. Bei dieser Betrachtung befinden sich die Tschechoslowakei, Polen, Danzig und Memelland noch bei der Statistik der Ostländer. Was sie damals dem Deutschen Reich lieferten, kommt ihm nach dem Anschluß oder der wirtschaftlichen Überwachung dieser Länder, soweit es sich um deren Eigenproduktion handelt, an sich zu.

Um die Möglichkeit einer Wirtschaftshe⸗monie zwischen dem Deutschen Reich und den Ostländern zu untersuchen, fragen wir uns erst, inwieweit der deutsche Einfuhrbedarf für den Stand 1937 hätte gedeckt werden können, wenn die Ausfuhr aus den Hstländern, die nicht nach dem Deutschen Reiche ging, nach unserm Bedarf hätte gelenkt werden können. Es zeigt sich, daß für Rinder, Schweine, Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Milch, Butter, Eier, Flachs, Zigarettentabak und andere Ackerbauprodukte, ferner für Holz nicht nur eine völlige Deckung des deutschen Einfuhrbedarfs vorhanden war, sondern noch häufig ein großer Überschuß darüber hinaus. Die Oststaaten könnten somit einen über⸗ wiegenden Teil unseres Nahrungsmittelbedarfs für Mensch und Tier decken. Auch die Halb- und Fertigwaren, die wir aus dem Osten beziehen, könnten in einem stärkeren Maße geliefert werden, wie auch bestimmte Erze, wie Kupfer⸗, Zink-, Bleierz und Bauxit. Ferner war die Petroleumausfuhr allein Rumäniens 1937 um rund 40 90 größer als die deutsche Einfuhr, so daß hier, abgesehen von der Sowjetunion, schon unser voller Bedarf gedeckt werden könnte. Es wäre somit volle Versorgung des deutschen Reiches aus dem Osten nach dem Stand 1937 schon in sehr vielen Pro dukten möglich, wenn eine Umlenkung der Ausfuhr der östlichen Länder von anderen Staaten nach dem Deutschen Reich stattgefunden hätte.