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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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Tundra Platz. Dieses weite Gebiet des Ostens ist nicht nur von verschiedenen Völkern bewohnt, sondern diese gehören verschiedenen Rassen an. Die ostbaltische Rasse sitzt vorwiegend in den baltischen Staaten und im Norden Rußlands, die ostische in Polen und im mittleren Rußland, teilweise in Süd slawien und Bulgarien, die dinarische in Südslawien, Albanien und Griechen land, die westische Rasse in Rumänien. Asiatische Rassenelemente haben wir in den Finnen, Magyaren und Osmanen, allerdings nicht mehr rein erhalten. Im subtropischen Gebiet des Südens mit seinem blauen Himmel während des regenlosen Sommers leben die Menschen gleicher Rasse leichter als im Norden, wo der lange schwere Winter hemmend auf die Arbeit und drückend auf das Gemüt wirkt. Von den 10 Millionen Juden Europas leben 8 Mil lionen in den Oststaaten und haben hier einen ungünstigen, aber entscheiden⸗ den Einfluß auf das Wirtschaftsleben.

Für die verschiedenen Rassen ist die Rassenbegabung verschieden. Ohne auf all diese Unterschiede eingehen zu können, sei hier nur erwähnt, daß die organisatorische Begabung und die andauernde Konsequenz zwischen Denken und Handeln, wie sie der nordischen Rasse eigen ist, nach Osten abnimmt. Viele mangelnde Fähigkeiten der Bevölkerung des Ostens liegen aber vielleicht nicht allein in der Rassenbegabung, sondern auch in der Un aufgeschlossenheit des weiten Raumes, in historischen und staatlichen Ge gebenheiten. Ich erinnere nur an die starke Zunahme der Analphabeten von Westen nach Osten, an die anspruchslosere Lebenshaltung, an die geringere Höhe der Wirtschaftskultur mit einem Wort, es besteht ein starkes Kultur gefälle vom Westen nach Osten. Die geringere Wirtschaftskultur und Boden⸗ bebauung, teilweise auch das Fehlen von Kohle und Eisen und damit einer nennenswerten Industrie lassen im Osten die Bevölkerungsdichte geringer werden.

Von den 529 Millionen Einwohnern, die Europa zählt, fällt nur die Hälfte auf den Osten, der dagegen in seinem hier gefaßten Umfang vier Fünftel der Fläche ausmacht. Der Osten ist wesentlich dünner bevölkert, was nur teilweise in den Wald- und Tundren-Gebieten des Nordens, den Gebirgsländern und Steppen des Südostens begründet ist. Während das Deutsche Reich(mit der Ostmark) eine Bevölkerungsdichte von 135 auf einen Quadratkilometer aufweist, der Westen und die Mitte Europas l(ein⸗ schließlich Italien, Spanien und die skandinavischen Länder) 102 Bewohner auf den Quadratkilometer zählt, so weisen die Ostländer nur 31 Bewohner auf den Quadratkilometer auf.

Berechnet man dagegen die Dichte der Agrarbevölkerung auf die land wirtschaftliche Nutzfläche, so erhält man im Osten höhere Zahlen als in der Mitte und im Westen. Im Deutschen Reich beträgt diese Agrarvolksdichte, wie ich sie kurz nennen möchte, nur 48 und bleibt auch in den übrigen Ländern des Westens und Nordens meist unter 80. In den Ostländern ist sie dagegen durchweg höher, meist über 70 je 1 qkm Nutzfläche. Wenn man nun noch bedenkt, daß der landwirtschaftliche Ertrag je Flächeneinheit im Osten wesentlich geringer ist als in Mittel- und Westeuropa, so kommt man zu dem Schluß, daß die Ostländer landwirtschaftlich übervölkert sind. Daß der Stand der Agrarbevölkerung auf der tatsächlichen Höhe zu halten

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