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Dieser so umgrenzte Ostraum reicht im Norden bis an die subpolaren Gebiete, umfaßt in breitem Gürtel die mittleren gemäßigten Breiten und reicht im Südosten in das subtropische Klimagebiet des Mittelmeeres hinein. Er umfaßt vier Fünftel der Fläche Europas, wenn wir es bis zum Ural rechnen, während die Mitte und der Westen nur ein Fünftel ausmachen, was oft übersehen wird. Der Ostraum ist die Rückseite Europas, wir sind die Mitte. Daß wir den Ostraum die Nückseite nennen, hat neben kultu⸗ rellen Gründen vorwiegend auch geographische. Auf jeden Fall hängen auch die kulturellen Gründe mit geographischen Tatsachen der Lage zusammen, wenn auch andererseits Rassen- und Volksunterschiede hier stark mitwirken. Aber auch diese, so tiefgreifend sie sind, bleiben nicht unbeeinflußt von den Wirkungen des Raumes, den die einzelnen Völker durch tausend und mehr Jahre einnehmen.
Der Ostraum ist im Norden und in der Mitte vorwiegend Tiefland, im Süden und Südosten umschließen Gebirge teils große Ebenen, wie in Ungarn, Rumänien und Bulgarien, während in Jugoflawien und Griechen⸗ land das Gebirge vorherrscht, in das nur kleine Fruchtebenen eingelassen sind, während die Türkei mehr Hochflächen und Gebirge als Tiefebenen enthält.
Auch das im industriellen Mitteleuropa so dichte Bahnnetz wird im überwiegend landwirtschaftlichen Osten immer weitmaschiger. Berechnet man die Bahndichte und zwar 1 km Bahnlänge auf die Fläche in Quadrat⸗ kilometern, so erhält man nach Osten stark abnehmende Werte. 1937 hatte das Deutsche Reich 8 qkm Bahndichte, die Tschechoslowakei 10,2 qkm, Ungarn 10, qkm, Oesterreich 14,3 qkm, Lettland 16,1 qkm, Polen 17,9 qkm, Jugo⸗ slawien 26,2 qkm, Rumänien 26,5 akm, Litauen 29,7 qkm, Bulgarien 31, qkm, Estland 33,2 qkm, Griechenland 48,3 qkm, Finnland 66,5 qkm, Sowjetunion l(europäischer Teil) 83,3 qkm, Türkei 97,0 qkm, Albanien 2295, qkm.
Die Kontinentalität des Ostens drückt sich auch im Klima aus. Berlin in 32½ o n. Br. hat im Januar eine Mitteltemperatur von— 0,4, im Juli von 18,1; Moskau dagegen in 58¾ o n. Br. hat im Januar— 110 und im Juli 18,90; es ist somit im Januar um 10,60 kälter, im Juli etwas wärmer als Berlin. Mit der größeren Winterkälte nimmt auch die Dauer des Winters nach Osten zu. Der Frühling, gemessen am Aufblühen des Flieders, zieht im Rheintal in der 2. Hälfte des Aprils ein, in Moskau erst in der 2. Hälfte des Mai und in Leningrad in der ersten Hälfte des Juni. Mit der Verkürzung der Sommerwärme nach dem Norden wandeln sich die Kulturgewächse. An den Küsten des Mittelmeeres gedeihen in Griechen⸗ land und der Türkei die Südfrüchte und der Oelbaum. Die Weingrenze zieht von Schlesien längs der Karpathen gegen die Halbinsel Krim und schließt das Gebiet des vorwiegenden Mais- und Weizenanbaues ein. Dann folgt nach Norden eine sehr breite Zone, in der der Roggenanbau vorherrscht, um nördlich Leningrad von Gerste und Hafer abgelöst zu werden. In diesen nördlichen Gebieten nimmt vorwiegend der Nadelwald große Flächen ein, der der Sowjetunion und Finnland ihren großen Holzreichtum gibt. Der Getreidebau hört nahe dem Polarkreis ganz auf, und der Wald macht der


