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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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In der bereits eingangs angedeuteten Angriffsfreudigkeit aber liegt sicherlich der soldatische und militärische Kardinalunterschied zwischen uns und den Franzosen. Das Sicherheitsbedürf mis ist bei einem angriffsfreudigen Menschen gering, bei einem defensiven Men⸗ schen dagegen sehr groß. Alles Defensive erfreut sich bei uns keiner Wertschätzung. Kampfesruhm ist nur im Angriff zu erwarten, und so ist die Offensive die typische und auch erfolgversprechende Eigenart des deutschen Kampfes zu allen Zeiten gewesen. Kein Mensch redet heute noch von dem Heldenmut des einfachen Mannes des Weltkrieges, der Woche um Woche und Monat um Monat im Granattrichter bis zum No vember des Jahres 1918 zäh und verbissen ausgeharrt oder Nacht für Nacht Kochgeschirre und Munition durch die Feuersperre nach vorne gebracht hat. Aber in vieler Mund waren im vorigen und sind im jetzigen Kriege die Namen derer, die todesmutige Taten des Angriffs vollbrachten.

So sehen wir die germanisch-nordischen Menschen auch ein solda tisches Führertum entwickeln und hervorbringen, wie es einzigartig auf der Welt ist. Mit dem Wagen und dem Planen in Taktik und Strategie verband sich aber auch stets höchster persönlicher Mut und be dingungslose persönliche Einsatzbereitschaft. Der Große Kurfürst sprengt bei Fehrbellin an der Spitze seiner Dragoner in die schwedischen Karrees, dem Großen König werden bei Torgau drei Pferde unter dem Leibe erschossen. In der Schlacht von Königgrätz, die für Preußen schicksalhaft war, steht der preußische König stundenlang in der vordersten Linie, aus der ihn nur die härtesten Worte Bismarcks herauszuholen ver⸗ mögen.

Aber auch bei den völlig veränderten Verhältnissen der modernen Krieg⸗ führung mit ihren Riesenarmeen, die dem Feldherrn nicht mehr erlauben, mit gezogenem Degen als erster an den Feind zu sprengen, sehen wir das Beispiel des soldatischen Führers als Vorkämpfer wieder aufleben: Adolf Hitler steht als erster Soldat seiner Nation im Polen⸗ feldzug bei den Vortruppen am Weichselufer, er besucht seine Batterien, während sie Warschau beschießen, er entwirft seine Pläne nicht in den sicheren Gebieten der Heimat, sondern steht und lebt während der ent scheidenden Schlachten unter seinen Frontsoldaten. Sein Armeeführer Gene⸗ ralfeldmarschall von Reichenau schwimmt mit den Spähtrupps durch die Weichsel. Dies sind Einzelbeispiele deutschen soldatischen Führertums bis in die jüngste Vergangenheit, die sich verhundertfachen ließen.

Mit der Aktivität und Selbständigkeit von Führer und Unterführer ist auf das engste unsere rassisch bedingte Organisationsfähigkeit verknüpft. Die heutigen Millionenheere moderner Staaten zu führen und an der Strippe zu halten, erfordert neben einem Unmaß von Arbeitskraft auch ein angeborenes, d. h. anlagebedingtes Organisationstalent. So war Napoleon sicherlich ein großer Feldherr und Soldat. Ich bin jedoch der Ansicht, daß er letzten Endes mit seiner Arbeitskraft nicht das zustande gebracht hat, was ein Friedrich der Große oder ein Adolf Hitler mit seinem Organisationstalent zu vollbringen vermochte.