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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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sicherlich als Ursache auch ein wahrscheinlich unbewußtes Bestreben von Millionen von Eigenbrödlern, die nunmehr den Zeitpunkt gekommen sahen, nach Jahren persönlicher Gebundenheit wieder zu einer wenn auch falsch verstandenen sog.Freiheit der Persönlichkeit zu gelangen. Hierdurch war wenigstens teilweise auch das märchenhafte Anwachsen der Zahl unserer Parteien zu erklären. Eine Beseitigung dieses verhängnis vollen Zustandes ist aber immer nur dadurch möglich gewesen, daß einer Masse von Persönlichkeiten eine noch stärkere Persönlichkeit vorangesetzt wurde. Dies ist durch die Sendung des Führers in Erfüllung gegangen. Auf der anderen Seite mußte des deutschen Volkes angeborener Betä⸗ tigungsdrang befriedigt, ihm endlich eine nationale und soziale Idee ge geben und ein weiträumiges Ziel gesetzt werden. Wenn es unter allen Um⸗ ständen ein weiträumiges Ziel sein mußte, so sind wir stolz darauf, daß den tatenfreudigen fleißigen und hochbegabten deutschen Menschen ein Ziel um so mehr reizt, je höher es gesteckt und je schwieriger es zu erreichen ist. Der Deutsche wird aber ein solches Ziel um so eifriger und hartnäckiger zu erreichen suchen, je männlicher es aussieht oder erscheint. Auch dieser Charakterzug ist rassisch bedingt.

Es ist in diesem Zusammenhang ebenfalls interessant, daß sich das deutsche Volk als Nationalhelden stets angriffsfreudige Haudegen ausgesucht hat. Andere große Soldaten, z. B. Scharnhorst, Gneisenau, Clau⸗ sewitz sind der Allgemeinheit fast unbekannt. Dagegen werden Haudegen wie Blücher oder wagemutige Flieger wie Boelcke, Immelmann, Richthofen oder ein todesmutiger U-Bootkommandant wie Prien u. a. ohne weiteres zu Lieblingen des Volkes.)

Wenn ich bereits verschiedentlich betont habe, daß der Angriff die Kampfform des Deutschen von jeher gewesen ist, und daß ihm der Stoß besser lag als die Parade, so besagt dies jedoch nicht, daß der deutsche Soldat in der Abwehr dem französischen unterlegen wäre. Dies beweisen die verlustreichen und erbitterten Abwehrschlachten des Weltkrieges. Wohl war bei allen kriegerischen Auseinandersetzungen der deutsche Soldat beim Angriff stets der erste am Feind, aber er war in der Abwehr auch der letzte, der die Walstatt verließ.

Der Tatendrang des Einzelnen und die ausgeprägte Neigung zum An griff hat uns sicherlich manche Schlacht gewinnen helfen. Aber sie hat auch immer wieder in der Geschichte des deutschen Volkes die Gefahr eines verfrühten und uneinheitlichen Einsatzes mit sich gebracht. Ich denke an den Opfertod unserer Freiwilligen von Langemarck. Wie oft ist auch im ver⸗ gangenen Weltkrieg unsere Infanterie der Artillerie einfach davongelaufen. Die tollkühnen Vorstöße unserer Panzertruppen in diesem Kriege tief in Feindesland hinein, die wagemutige Besetzung weit hinter der feindlichen Front liegender Stützpunkte durch unsere Fallschirmjäger und Luft⸗Lande⸗ truppen wären auch im Freiheitskampf Großdeutschlands nutzlos gewesen, wenn insbesondere die Zusammenwirkung der verschiedenen Waffen nicht so vorbildlich organisiert und so wunderbar gelungen wäre.

*) In diesen Zusammenhang gehört auch der Ausspruch des Generals von Seeckt:Generalstabsoffiziere haben keinen Namen.