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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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welche die Jsolierung der Einzelteile grundsätzlich vermeidet, die Ein⸗ zelteile nur in der Gemeinschaft mit den anderen bestehen läßt, alle Einzelteile aufeinander und auf das Ganze bezieht. Diese Baugruppe stellt also einen Gesamtorganismus dar. Das Wichtigste aber ist die Aberoroͤnung des Mittelbaues. Es gibt also in dieser Gruppe Wich⸗ tiges, Herausgehobenes, eine Spitze und daneben Flankierendes, die⸗ nende Teile; es gibt also eine Rangordnung, eine Stufenoroͤnung.

Könnten wir uns an einem Plane der Akropolis die Lage des Ge samtbaues an der Spitze eines langgestreckten§elsenplateaus klar ma⸗ chen, so würden wir sehen, in welcher Weise dieses Festtor durch seine Lage und durch die geschilderte Art der Gesamtkomposition nicht nur die in Stein gefaßte schmückende Gffnung, der bloße Zugang zum Heilig⸗ tum ist, der zufällig an dieser Stelle liegt, sondern dem Gesamtheilig⸗ tum eine Richtung gibt, damit alle Bauten innerhalb des Bezirkes zu einer Einheit zusammenfaßt.

Es ist nun nach dieser Art der Betrachtung wohl jedem klar, in welcher Weise gerade dieser Bau die staatliche Konzeption des Bau herrn eindeutig und erschöpfend zum Ausdruck bringt- wie er der ge⸗ baute Staat selber ist.

Jedoch, meine Damen und Herren- was ich Ihnen hier geschildert habe, ist in dieser Form nie Wirklichkeit geworden, denn nur Teile davon konnten vollendet werden; der Abschluß oͤes Ganzen, dessen Plan wir genau kennen, wurde durch den Ausbruch des peloponnesischen Krieges verhindert, und nach dem Tode des Perikles verhinderten wohl verschiedene, darunter auch klerikale Strömungen die Vollendung des Baues, wie der Reichsgeöoͤanke an der erfolgreichen Rivalität Spartas gescheitert ist.

Den großen Gedanken des Reiches vollendete erst 100 Jahre spä ter ein anderer, nunmehr auf neuen, ich möchte sagen revolutionären Wegen- Alexander der Große. And erst dessen Wirken ermöglichte auch auf dem Gebiete der Baukunst die Vollenoͤung dessen, was Perik⸗ les weit vorauseilend vorweggenommen hatte. So läßt der Bau der Propyläen selbst noch als Torso die ganze Größe, aber auch das ganze Schicksal seines Erbauers erkennen.

Wir sind am Ende.