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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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Es konnte nicht meine Absicht sein, in dieser kurzen Stunde mit Ihnen sämtliche Probleme der Blütezeit der griechischen Kunst formaler oder geistesgeschichtlicher Art durchzusprechen; ja-ich bin mir im klaren darüber, daß es eigentlich mehr nur Prolegomena zu einer Dar⸗ stellung dieser Blütezeit gewesen sind, was ich Ihnen hier bieten konnte. Jedoch- inoͤem ich Ihnen mit einigen nur andeutenden Strichen ein Bild von der Wirksamkeit eines Einzelnen zeichnete, eines an die Spitze des Staates gehobenen Mannes, des Lenkers seiner Geschicke, der vom Führer der Partei sich zum Führer seines Volkes hob, oͤer die un⸗ wiederholbare Einmaligkeit der Zeitenstunde zu nutzen wußte und da⸗ mit die klassische Kunst ermöglichte, inoͤem ich zeigte, wie er die Kunst gewollt, gebraucht hat zur Verwirklichung seines großen Zieles der Formung eines Volkes zum Staat- dadurch habe ich gewissermaßen die Voraussetzungen umrissen für eine Betrachtung der Kunst dieser Zeitspanne.

Die Einzigartigkeit der geschichtlichen Stunde liegt im Anwieder⸗ holbaren. Wer könnte das besser ermessen als wir selbst, denen es ge⸗ geben ist, in dieserZeit ohne Beispiel zu leben und zu wirken! Es kann daher auch der Sinn einer geschichtlichen Betrachtung nicht dar auf abzielen, die Sprach- und Ausdrucksformen einer vergangenen Epoche wieder lebendig werden zu lassen; der Sinn derGriechischen Vorbilder liegt auf einer anderen Ebene. Aber eines dürfen wir offen und gerne bekennen, daß der Mut zu dieser Darstellung fließt aus dem lebendigen Strömen unfrer eigenen Gegenwart, an der wir selber bauen. And in diesem Sinne wird es verständlich sein, wenn wir sagen, daß in unsrer Liebe zu diesen Dingen, zu dem Ewigen Hellas, nichts an⸗ deres wirkt als die Liebe zu dem, was wir über alles stellen in der Welt -zum Ewigen Deutschland.