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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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Schlachtfeloͤern ihre Pflicht getan hatten, einen weitgehenden Anteil am Staate verschafft; er verbreitert damit die Grundlage seiner Macht; außenpolitisch beginnt er die Konzeption eines großen Griechenreiches zu verwirklichen urch die Ausweitung des seit 477 bestehenden soge⸗ nannten Seebundes, der zum Zwecke der Abwehr gegen die Perser ge gründet worden war. Er gab dem erweiterten Bunde eine über diese enge Aufgabe hinausreichende zweckbestimmung, verwandelte vielfach die eigenen Verfassungen der Bünoͤner durch Angleichung an die at⸗ tische; ein neues, für alle geltendes Münzggesetz- es sollte überall nur noch das attische Silbergeld Gültigkeit haben liegt auf oͤer Linie zur Vereinheitlichung zu einem Reich. Es sind schließlich nur noch wenige Staaten, welche außerhalb bleiben, darunter freilich Sparta, und da mit der Keim des Verhängnisses. Jedoch- als 448 im sogenannten Kalliasfrieden die Kämpfe mit den Persern enoͤgültig abgeschlossen sind, steht das oͤamalige Griechenland, in einem Imperium vereint, vor der Welt in einer bis dahin noch nie erreichten Größe.

Mit welchen Ideen er sich trug, beweist der im Jahre darauf ein⸗ berufene panhellenische Kongreß, auf dem alle Hellenen sich zusam⸗ menfinden sollten, um Beschlüsse über den gemeinsamen Wiederauf⸗ bau der von den Persern zerstörten Heiligtümer und über die Gemein samkeit der nachfolgenden Aktionen überhaupt zu fassen. Der Kongreß freilich kam nicht zustande. Aber aus dem Seebunde, dessen kultlicher Mittelpunkt Delos war, ist inzwischen oͤurch Perikles ein attischer Bund geworden, mit dem Sitz in Athen, wohin auch die Bundeskasse gebracht wurde.

Mit diesem Jahre 448 war die staatliche Grundlage geschaffen oͤurch die Tätigkeit eines einzigen, eines einzigartigen Mannes, dessen Wirk⸗ samkeit Thukpoͤides die Herrschaft des ersten Mannes nennt, zu dessen Zeit die Demokratie nur noch dem Namen nach bestanden habe war die politische Grundlage geschaffen für die glänzenoͤen Jahre, die wir die eigentliche Blütezeit zu nennen berechtigt sind, die knapp zwanzig Jahre bis zum Ausbruch des peloponnesischen Krieges 430, dieser furchtbarsten Auseinandersetzung zweier Griechenstaaten, die mit der Erschöpfung beider und mit dem Ende der klassischen Kunst abschloß. Die Zeit reicht bis zum Tode des Perikles, der 429 der im ersten Jahre des Krieges wütenden Pest erlag. Aber es war für Athen eine segens⸗ reiche Zeit, für Perikles eine Zeit der Sorgen und Mühen um das allgemeine Wohl, um oͤen Ausbau und die Sicherung des Erreichten.