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fast wie Gelehrsamkeit? Gewiß; so mag meine mit dürren Worten aufgezeichnete Beschreibung der Einzelheiten anmuten und die Auf— zählung der notwendig hieraus gezogenen Schlüsse. Aber machen wir uns an diesen Einzelheiten klar, in welchem Sinne dieses Zeit⸗ alter mit Recht das der Vollendung genannt wird: nicht nur, daß etwa Ansätze formaler Art hier vollendet werden, sondern: all die vie⸗ len Einzelströme der Vorzeit, der Vergangenheit sehen wir münden in diesem Werk, nicht im Werk allein, sondern in der Göttin selber. Diese Göttin enthält schlechthin alles, was an Glaubensvorstellungen in die⸗ ser zeit Gültigkeit und Bedeutung besaß, enthält dieses nicht als ein gelehrtes Sammelsurium von vielen Einzelheiten, sondern georoͤnet und gefügt zu einer höheren Einheit, die wir freilich nicht mehr er⸗ kennen, sondern nur mehr ahnen können; sie vereinen sich zu einem überwältigenden Bilde von leibhaftiger Gegenwart.
Wir werden bei dieser Betrachtung eines nicht übersehen können: wie wir sahen, daß die Göttin hier gleichsam Gefäß, Inhalt allen Glau— bens überhaupt ist, so sehen wir in dieser in ihr enthaltenen Oroͤnung, in dem gegenwärtigen geschichtlichen Bewußtsein, in der lebendigen Verbinoͤung mit der Vergangenheit, in der geistigen wie formalen Tra⸗ dition den Bau des Staates selbst, die Joͤee des Staates, verschmolzen mit der Idee der Gottheit. Anders ist es für den Griechen gerade die⸗ ser Tage auch gar nicht denkbar.
Wir haben einen sehr wichtigen Punkt, der bezeichnend ist für die klassische Kunst, bisher noch nicht erwähnt: nicht zufällig steht die Par⸗ thenos des Phidias in Athen, ist Phidias attischen Geblüts, nicht zu⸗ fällig, weil die klassische Kunst auf weite Strecken und nahezu aus⸗ schließlich attische Kunst ist. Wohl kennen wir den bedeutenoͤsten Ver⸗ treter einer nichtattischen Lanoͤschaft, dessen Werke im Gesamtbilde der klassischen Kunst nicht fehlen dürfen- die des Polyklet von Argos; aber ist es ein Zufall, daß auch er wie vor ihm Myron von Eleutherä, der Meister des Diskuswerfers, mit ihm Kresilas, der ein Biloͤnis des Perikles schuf, neben zahlreichen anderen gerade in der Blütezeit nach Athen kommen, der Mitte des damaligen Griechenland? Athen wurde die geistige Mitte, wie es zum politischen und staatlichen Zentrum ge— woroͤen war.
Am dies wie auch die Bemerkung über den Staat im Werke des Phidias zu verstehen, müssen wir uns rasch die geschichtlichen Gescheh⸗ nisse dieser Zeit ins Gedächtnis rufen; ich darf dabei aus der Fülle der


