Solche Kämpfe sind ihm mehr als eine bloße Sage. And gerade diesem Siege verdankt die Parthenos ja gewissermaßen erst ihre Entstehung, und die im Bilde gestalteten Vorstellungen sind nichts anderes als die religibse Gestaltung dieses Sieges schlechthin.

Artümlichen Vorstellungen begegnen wir noch einmal in der geflü⸗ gelten Nike, der Siegesgöttin, welche Athena auf ihrer vorgestreckten rechten Hand trägt; sie schwebt von da herab auf den Gläubigen, die Göttin trägt den Sieg buchstäblich in Händen. Zur Anterstützung der Last oͤer Aike-die Figur war allein etwa zwei Meter groß- ruht die Hand auf einer Säule.

Die Kolossalität, die Aberlebensgröße der Gesamtkomposition be⸗ deutet in diesem Zusammenhange natürlich mehr als nur Prachtent⸗ faltung, Wucht und Größe, in der über menschliches Maß hinaus gehenden Größe erkannte der Grieche das Abermenschliche, Aber irdische, das Göttliche an sich. Nicht zu allen Zeiten sind derartige weit über lebensgroße Werke geschaffen worden- es hebt sich auch in die⸗ sem Punkte die klassische Kunst von der des folgenden Jahrhunderts ge⸗ nau so ab, wie sie in diesem Punkte alte Vorstellungen oͤes 7. Jahr⸗ hunderts wieder lebenoͤig werden läßt. Ein ganz bewußtes Anklingen von solchen sehr altertümlichen Vorstellungen finden wir nun auch in der Tatsache oͤer kleinen Figur auf der Hand der großen wieder. Die Zeit des 5. Jahrhunderts verbindet sich hier in einem ganz besonderen Sinne mit oem Jahrhundert der Entstehung der griechischen Groß plastik überhaupt, mit oem Jahrhundert, in oͤem nach einer ungeheuren Beoͤrohung alles Griechischen oͤurch oͤen Einbruch des Dionysischen- vom Orient her- Hellas gerettet wurde oͤurch die Neugestaltung dͤes apollinischen Glaubens.

Aber die Flügelgottheit auf einer Säule weist in eine noch ältere Vergangenheit zurück: wir wissen, daß die große Muttergottheit des Mittelmeeres, bevor die Griechen einwandͤerten, auch in oͤer Gestalt der Säule verehrt wurde. Ich muß es mir hier versagen, diesen Ge⸗ danken noch weiter auszuführen und mich mit der Feststellung be⸗ gnügen, daß wir auch hier wieder bei unserem Werk Vorstellungen ver arbeitet antreffen, welche in eine graue Vorzeit zurückreichen, in eine ohne Zweifel vorgriechische Schicht.

Fassen wir alle oͤiese hier herausgegriffenen Einzelzüge zusammen, so stellen wir verwundert fragend fest: mutet alles dieses denn nicht fast an wie eine dogmatische Spekulation, wie ein religiöses Programm,