dieses zum Beispiel für oͤie Zeit des sogenannten Strengen Stiles, für die unmittelbar auf die Besiegung der Perser im Jahre 480 folgende Kunst, etwa von oͤer Gruppe der Tyrannenmörder der Meister Kritios und Nesiotes: es enthält wirklich erschöpfend alle Einzelheiten der Formensprache dieser Zeit, wir können ihm die geistigen, politischen, sittlichen Voraussetzungen entnehmen, welche zur Entstehung dieses Werkes führten. Das gleiche gilt beispielsweise von der Epoche des 4. Jahrhunderts, von dem romantischen Zeitalter der griechischen Kunst, welche die Statue des Hermes von Olympia, ein Werk des Praxiteles vollkommen zum Ausoͤruck bringt; für die oͤrei Jahrhunderte der soge— nannten hellenistischen Kunst ist es etwa der Gigantomachiefries des Großen Altares von Pergamon oder die Gruppe des Laokoon, genau wie etwa die augusteische Zeit im großen Friedensaltar oͤes Kaisers Augustus nahezu erschöpfend erkennbar wird.
Suchen wir nun ein solches, die Zeitspanne stellvertretendes, ein⸗ ziges Werk der klassischen Kunst, so bietet sich uns kein andͤeres dar als das große Kultbild der Athena im Parthenon zu Athen, eines der berühmtesten Werke oͤes Altertums, geschaffen von der Hand des über⸗ ragenoͤsten Künstlers dieser Zeit, ja der griechischen Kunst überhaupt- die Athena Parthenos von der Hand des Phidias, von dem das Altertum selbst berichtete, daß er durch seine Werke dem geltenden Glauben etwas hinzugefügt habe; eine sehr eindrucksvolle Bemerkung, sagt sie oͤoch nicht weniger, als daß der Künstler nicht nur die vorhandene Glaubensvorstellung erschöpfend zum Ausoͤruck ge⸗ bracht, sonoͤern oͤurch seine Biloͤwerke diese Glaubensvorstellungen er— weitert, selbst mitentscheibend bestimmt habe. Schon dies allein zeigt, daß die Wirkung oͤes Mannes nicht auf den Kreis oͤes nur Künst⸗ lerischen beschränkt gewesen sein kann; es zeigt aber auch dies- daß für den Griechen dieser Zeitspanne, gerade der klassischen Kunst, ein Kunstwerk niemals nur oͤer Gegenstand einer ästhetischen Betrachtung gewesen sein kann, sondern lebenoͤige Wirklichkeit des Gottes.
Wir kennen diese Parthenos gut; es treffen sich hier in einem ge⸗ meinsamen Strom die Aberlieferungen der antiken Literatur, wo uns Beschreibungen erhalten sind, und oͤie monumentale Aberlieferung, welche uns eine Reihe von Wiederholungen aufbewahrt hat, auf die wir angewiesen sind, denn as Werk selbst ist für alle Zeiten verloren. Es wurde am Ende des Altertums von oͤen Christen wahrscheinlich nach Byzanz gebracht, und dort verbrannte es.


