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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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bemüht haben, über das Finden von neuen Werken hinaus, über das Ausgraben und Sammeln, Katalogisieren, Bearbeiten und Wiederher⸗ stellen, kurz, über das vorwiegend Antiquarische hinaus in den We⸗ senskern eines Biloͤwerkes, eines Tempels, einer Epoche einzudringen. Diese deutsche Art unterscheidet sich so deutlich von der der anderen Kationen, ist so wesentlich deutsch, daß sie oft von den anderen über⸗ haupt nicht verstanden wurde. Ein solches Bild würde zeigen können, wie durch diese besondere Art die Kunst der Griechen auch dem Kicht fachmann vertraut geworden ist.

Es liegt mir daran, diese Tatsache hier besonders festzustellen, denn ich bin heute leider nicht in der Lage, meiner Darstellung durch das Mittel der Anschauung einen besonderen Nachdruck zu verleihen. Man wird mir zubilligen, daß es schwer ist für den Vertreter einer Wissen schaft, die sich ausschließlich mit Dingen beschäftigt, die einst im Alter tum für die reine Anschauung, für das Auge geschaffen wurden, daß es schwer sein muß vor einem Kreis von Nichtfachgenossen zu sprechen, ohne diese notwendige Anschauung im Bilde wiederholen zu können, auf das Mittel der Anschauung selbst also Verzicht leisten zu müssen. Aber ich weiß, daß ich mich ja mit einer starken Berechtigung der glück⸗ lichen Hoffnung hingeben kann- in vielen Punkten wohl verstanden zu werden, weil die Werke, von denen hier gesprochen werden soll, vielen von Ihnen längst vertraut sind: wer von Ihnen erinnerte sich nicht der Bilder und Büsten in den Schulsälen, gelegentlicher oder auch häufiger Gänge in eine Sammlung antiker Skulpturen und Vasen, vor wessen Auge stiege dann nicht diese Athena odͤer jenes Apollon⸗ bild empor, und wen unter uns gäbe es, den nicht einmal ein Gemälde, eine Zeichnung, ein Bild erreicht hätte von dem ragenden Glanz eines dorischen Tempels? And viele wird es geben, die selbst einmal mit eigenen Augen das attische Gestade, das Land und die zeugen der Ver⸗ gangenheit erblicken konnten. Es ist in der Tat, man darf sagen, heute gesichertes Gemeingut weiter Kreise, und nicht einmal nur der soge⸗ nannten Gebildeten-das Stoffgebiet der klassischen Kunst.

And so geschieht es auch, daß viele von vornherein wissen, von welchem Jahrhundert, von welcher Zeitspanne hier gesprochen werden soll, wenn es sich um die Blütezeit der griechischen Kunst handelt- daß es also das 5. Jahrhundert vor unsrer Zeitrechnung ist, das Zeit⸗ alter, dem die Werke des Phidias ihr entscheidendes Gepräge ge⸗ geben haben, das Zeitalter der Vollendung, die Spanne- die wir die Klassische Kunst nennen.