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aktiber Immunisierung wurde in 10% der Fälle die negative Schick— reaktion innerhalb 8-9 Monaten wieder positiv. Das Ergebnis be— rechtigt zu dem Schluß, daß der dauernde Reiz latenter Infektionen die Ansprechbarkeit auf das eingeführte Antigen erhöht, bzw. der an⸗ gewandte Immunisierungsmodus nur dann eine ausreichende Anti⸗ toxinbildung erzielt, wenn der Organismus der Grenze der Schick— immunität schon nahesteht. i
Das Verhalten der Epidemien auf Grund dieser immunbiologi⸗ schen Betrachtung führt zu folgenden Schlüssen: Eine Epidemie findet ihr natürliches Ende, wenn die Zahl der Empfänglichen sich so ziem⸗ lich erschöpft. In den Infektketten sporadischer Krankheitsfälle glimmt der endemische Funke fort. Indes erhöht sich durch Geburtennachschub die Zahl der Empfänglichen wieder Jahr für Jahr. Ist die Menge der Seuchenfähigen hinreichend angewachsen, türmt sich wieder die Welle der Epidemie. Eine Virulenzsteigerung des Erregers durch rasche Menschenpassage mag dabei eine ursächliche Rolle spielen. Die— ser durch den Empfänglichennachwuchs bedingte Rhythmus ist wieder abhängig von Verkehr und Besiedlungsdichte. Auch wird die benötigte Zahl der Empfänglichen um so später erreicht, je geringer der Konta⸗ gionsindex ist. Diese Faktoren und die jeweilige Größe einer Stadt bestimmen auch die längere oder kürzere Dauer einer Epidemie.
Eine Seucheneinschleppung von außen läßt keinen regelmäßigen Rhythmus erwarten, es sei denn, daß sie kontinuierlich erfolgt. Bis⸗ weilen wird das Aufflammen einer endemischen Seuche auch durch lebhafte Anterwanderung bedingt. Die ortsansässige Bevölkerung be⸗ sitzt vielfach eine erhebliche Immunität, während der Ankömmling der Krankheit nicht entgeht. Masseneinwanderung aus nicht verseuch— ten Gebieten kann jedoch eine so erhebliche Virulenzsteigerung des Er⸗ regers bewirken, daß die Epidemie unter Durchbrechung der stillen Feiung oder einer labilen Immunität auch die einheimische Bevöl⸗ kerung erfaßt.
Gleich den Schwankungen in der natürlichen Bevölkerungsbewe— wegung ist auch die wandelbare Empfänglichkeit in der Geschlechterfolge von Einfluß auf die periodische Wiederkehr und die Auswirkung einer Epidemie. Die Erfahrungen mit der aktiven Schutzimpfung haben gelehrt, daß mangelnde Immunisierungsfähig⸗ keit bis zum ausgesprochen refraktären Verhalten einen so hohen Grad der angeborenen Schutzlosigkeit bedingen kann, daß der Betreffende auch der milderen Form der Zivilisationsseuche erliegt. Ohne das Ausleseprinzip der endemischen Seuche müßte die Vererbung dieser


