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Widerstandslosigkeit bei künftigen Seucheneinbrüchen von wesentlicher Bedeutung sein. Die Wodellversuche der experimentellen Epide— miologie haben zu diesem Fragenkomplex bereits wertvolle Beiträge geliefert. Nach Infektion einer Kaninchenpopulation mit Bacillus le- pisepticus wurde durch die Paarung der nichtanfälligen Tiere eine widerstandsfähige Nachkommenschaft erhalten. Das gleiche gelang bei Verfütterung einer konstanten Menge von Breslaubazillen in Mäuse⸗ dörfern und folgender Paarung der überlebenden Tiere. Die ursprüng— liche Letalität von 76% sank auf 42 und 15% in der zweiten und dritten Generation. Rückkreuzung zwischen resistenten und empfäng⸗ lichen Ausgangsrassen ergab bei anderen Versuchen eine größere Re— sistenz der Bastarde. Demnach ist durch selektive Züchtung eine Stei— gerung der Resistenz zu erzielen. Damit ist auch jenen Behauptungen der Boden entzogen, daß zur Erklärung des Seuchengeschehens die Annahme einer Vererbung der Immunität erforderlich sei. Dies stünde im Widerspruch zu den Gesetzen der Vererbungslehre, da die Immu— nität zu den erworbenen Eigenschaften gehört. Vererbbar ist lediglich als Ausdruck der natürlichen Resistenz die Abwehrbereitschaft gegen— über dem eingedrungenen Krankheitserreger. Der Schutz der Kinder in den ersten Lebensmonaten beruht auf passiver placentarer oder trophogener Immunisierung oder plasmatischer Abertragung der Immunität. Auch besteht die Möglichkeit der Antikörperbildung auf den Reiz des diaplacentar in den Foetus gelangenden Antigens. Es ist die Aufgabe der Seuchenforschung, das Ent⸗ stehen und Vergehen der Epidemien zu ergründen, um daraus die Richtlinien der Seuchenprophylaxe abzuleiten und zur Seuchen— prognose vorzudringen. Unsere Seuchenbekämpfung hat in der Ver— gangenheit und insbesondere im Weltkriege und in der Nachkriegs⸗ zeit die Feuerprobe bestanden. So gelang es, die Wurmkrankheit im Ruhrgebiet auszurotten, und die deutschen Sanierungsmaßnahmen wurden vorbildlich für die Welt. Das Fleckfieber, das sich im Welt⸗ kriege im Heimatlande eingenistet hatte, wurde durch energische Be— kämpfung wieder verdrängt. 1919 hatte Deutschland noch 3549 Fleck⸗ fieberfälle, seit 1924 blieb die jährliche Zahl stets unter 10. Im deutsch-französischen Kriege hatte sich schon die deutsche Aberlegenheit gezeigt: die schlecht geimpfte französische Armee war mit Pocken ver⸗ seucht, die gut geimpfte deutsche blieb nahezu verschont. Im Gegensatz zu vielen früheren Kriegen war der Anteil der Krankheiten an den Gesamtverlusten beim deutschen Heer auf ein Drittel gesunken. Im Weltkriege trafen auf 115 Todesfälle durch Waffenwirkung nurmehr


