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mein anerkannt und auch durch Truppenverschiebungen während des Weltkrieges einwandfrei erwiesen worden. Herbstinfektionen der Ter⸗ tiana führen meist erst im kommenden Frühjahr oder Sommer zu akuter Erkrankung. Beim Heimkehren aus den Tropen treten die Rückfälle bevorzugt im Frühjahr auf und insbesondere bei Prophy⸗ laktikern ist die Inkubationszeit verlängert. In den kühleren Gebieten sind das Denque- und Papatacifieber ausgesprochene Sommerkrank⸗ heiten, weil die Phlebotomen nur bei höheren Temperaturen fliegen und die Stegomyen in der Hitze am lebhaftesten sind. Bei Erkrankungen dieser Art tragen also die exogenen Faktoren jahreszeitlichen Charak⸗ ter; nicht dagegen beim Fleckfieber des europäischen Ostens. Es wird durch Kleiderläuse übertragen, die als Monophagen nur vorüber— gehend ihren Wirt verlassen und somit während des ganzen Jahres zwischen Kleidung und Haut in dem gleichen subtropischen Klima hausen. Man müßte also erwarten, daß jahreszeitliche Klimaschwan⸗ kungen auf die Krankheitsverbreitung keinen unmittelbaren Einfluß haben. In der Tat zeigt sich, daß nur indirekte Arsachen, der Ver⸗ lausungsgrad der Bevölkerung und die unterschiedliche Aberwande⸗ rungsmöglichkeit der Läuse, eine jahreszeitliche Häufung der Krank- heitsfälle bedingen. Eine indolente, während des ganzen Jahres ver⸗ lauste Bevölkerung ist in ihren heimatlichen Wohnsitzen ziemlich gleich⸗ mäßig mit Fleckfieber befallen. Bei winterlicher Zusammenpferchung, wie in den russischen Asylen für Obdachlose, tritt die jahreszeitliche Häufung auf. In früherer Zeit war bei den Heeren das Fleckfieber vorzüglich eine Lagerkrankheit und ein Indikator für das Reinlich⸗ keitsbedürfnis der verschiedenen Truppenverbände. In Winterquar⸗ tieren war die Entlausungsmöglichkeit geringer und durch strenge Kälte besonders erschwert.
Abweichungen vom saisonellen Rhythmus der Epidemien sind bei allen, auch den kontagiösen Krankheiten bekannt geworden. Die ursächliche Ergründung dieses abweichenden Verhaltens könnte auf die richtigen Spuren lenken, die zur Auffindung der saisonellen Fak⸗ toren führen. Bei den Seuchen, die von Insekten übertragen werden, und bei denen sich vieles aus den Umweltsbedingungen und den Le— bensgewohnheiten der Aberträger, sowie den Entwicklungsbedingun⸗ gen der Mikroben erklärt, ist dies schon mit Erfolg geschehen.
Die regelmäßige Wiederkehr der Epidemien ist heute nur bei den kontagiösen Seuchen und nur dann zu erklären, wenn ein endemischer Herd die aufflackernde Epidemie aus sich selbst gebiert. Diese Betrachtung rührt an die Grundprobleme der Seuchenentstehung.


