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Wasserepidemien des Typhus werden durch zufällige Ereignisse ver⸗ anlaßt und sind infolgedessen nicht saisongebunden.
Viel ausgesprochener als beim Typhus ist der saisonelle Sommer- charakter der Kinderlähmung. Nach der jahreszeitlichen Häufung der Erkrankungen im August— Oktober und allenfalls noch November gehen die Erkrankungsziffern in Deutschland mit aller Regelmäßig⸗ keit von Januar bis Juli fast auf den absoluten Nullpunkt zurück. Die Parallele zu den sommerlichen enteralen Infektionen und der Nachweis des Virus im Stuhle ließ an Verbreitung durch Insekten denken. Eine befriedigende Erklärung konnte jedoch bis heute nicht gegeben werden. Das gleiche gilt für den Wintergipfel der Diphtherie. Der Anstieg der Kurve beginnt bereits im Herbst, um den Höhepunkt vielfach schon im November und Dezember zu erreichen. Die Jahres⸗ zeitenumkehr auf der Südhalbkugel kennzeichnet die Diphtherie als typische Saisonkrankheit. Die möglichen Einflüsse der Winterklausur und der Herbsteinschulung sind auf Grund vergleichender epidemiolo— gischer Betrachtungen abzulehnen. Auch die angenommenen dispo— nierenden Momente, wie die Alteration der oberen Luftwege durch Klimawirkung und der winterliche Vitamin- und Strahlenmangel haben der Kritik nicht standgehalten. Trotzdem bietet die Veränderung der Disposition wohl die einzige Erklärungsmöglichkeit, wofür auch eine gewisse Gesetzmäßigkeit beim Vergleich mit anderen akuten Zi⸗ vilisationsseuchen spricht. Denn die Einflüsse der Disposition kommen um so mehr zur Geltung, je geringer die Kontagiosität einer Seuche ist.
Die gesteigerte Tuberkulosesterblichkeit im März bis Mai und der Frühjahrgipfel der akuten und subakuten Tuberkulosemanifestationen werden der Altraviolettstrahlung des Sonnenlichtes nach der voraus— gehenden Strahlenarmut des Winters zugeschrieben. Auch die Er— hebung der Masernkurbe im Mai könnte in diesem Sinne gedeutet werden. Die endemische Malaria tritt je nach den Amweltbedingungen während des ganzen Jahres oder zu bestimmten Zeiten als Saison⸗ malaria auf. Die Jahreskurve der Tertiana zeigt sowohl in Dänemark wie in Schweden und Norditalien einen kleineren Mai-Juni⸗Gipfel und einen Hauptgipfel im August⸗September, der der größeren Häu⸗ figkeit infizierter Anophelen entspricht. Der Mai⸗Juni⸗Gipfel steht wohl mit der sensibilisierenden Wirkung der Frühjahrssonne im Zu⸗ sammenhang, er ist der Gipfel der Rezidive und der verlängerten Inkubation. Auch durch experimentelle Bestrahlung läßt sich das Wiedererscheinen der Parasiten im Blute erzwingen. Die lange In⸗ kubationszeit der Tertiana in gemäßigten Zonen ist nunmehr allge⸗


