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Ausbruch explosiven Charakter auf. Die Geschwindigkeit des Wan⸗ derns der Seuchen steht auch in Beziehung zur Wiederkehr und Dauer einer Epidemie.
Bei den Seuchen mit Saisoncharakter bestimmt der saisonelle Rhythmus den Ablauf und das Verebben der einzelnen Seuchen⸗ wellen. Den jahreszeitlichen Seuchenkurven sind nur die Erkrankungs⸗ zahlen zugrunde zu legen, die Sterbeziffern verlagern die Kurve, der jeweiligen Krankheitsdauer entsprechend, und verschleiern das Bild durch einen etwaigen speziellen Saisoncharakter der den Tod be— dingenden Komplikation. So ist der in der gemäßigten Zone vor⸗ herrschende Frühjahrsgipfel der Grippesterblichkeit auf Rechnung der Pneumonie zu setzen, und auch bei der Keuchhusten- und Masern⸗ sterblichkeit liegen ähnliche Verhältnisse vor. Die Erforschung des saisonellen Seuchenganges setzt sich nach Festlegung des Jahreszeiten⸗ rhythmus die Ermittlung des speziellen Saisonfaktors zum Ziele und anschließend die Klärung von dessen pathogenetischer Bedeutung im Sinne einer Steigerung der Disposition. Eine geschlossene Beweis⸗ führung dieser Art ist nur selten möglich gewesen. In der Regel ver- strickt sich die Analyse schon in der Vielheit der fraglichen exogenen Faktoren.
Ruhr und Typhus sind Sommerkrankheiten. Die meisten Typhus⸗ erkrankungen entfallen auf August und September; ihr Kulminations⸗ punkt in der Regel auf den September. Als Arsache dieses jahres⸗ zeitlichen Verhaltens werden Diätfehler angeschuldigt mit der Folge vermehrter Keimverstreuung, Genuß saisonell bedingter Nahrungs- mittel, die erfahrungsgemäß häufig Infektionen vermitteln und die für die Verbreitung aller Sommerepidemien bedeutungsvolle Fliegen⸗ plage. Letztere ist von größerem Einfluß auf Nahrungsmittel-, von geringerem auf Kontaktinfektionen. Bei der Typhusbekämpfung im Südwesten des Reiches wurde festgestellt, daß der Sommeranstieg der Typhusfrequenz in weit höherem Maße die Landbevölkerung als die Städte betraf. Dies wurde mit der Stomoxysplage in ursächliche Ver⸗ bindung gebracht, deren Vermehrung, analog der Typhuskurve, einen langsameren Anstieg mit dem Höhepunkt im September hatte, wäh⸗ rend die Stubenfliegenzunahme eine größere Kongruenz mit der som— merlichen Temperaturkurve zeigte. Das alte Heer wies die meisten Typhuserkrankungen in der Zeit von August bis Oktober auf zum Teil als Folge der Manöver und des Ernteurlaubs. Der verringerte Hygienestandard, der innigere Kontakt mit der Landbevölkerung und die Einziehung der Reservisten mochten hier zusammenwirken. Die


