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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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Die Persistenz der Seuchen wird bei Erregern, die nur beim Wenschen Spontanerkrankungen hervorrufen, durch Infektions- ketten gewährleistet, die den Befallenen mitunter auf Grund chro nischen Siechtums oder der Dauerausscheidung von Erregern jahre lang oder selbst lebenslänglich zur Infektionsquelle stempeln. Die Zahl dieser Seuchen hat jedoch, wie ein Blick in die Seuchengeschichte lehrt, eine beständige Einschränkung im Laufe der Zeit erfahren. Der Ersatz des Begriffes Epidemiologie durch den umfassenderen der Loimo logie kennzeichnet die zunehmende Bedeutung der Tierwelt als Aus⸗ gangspunkt der die Menschheit bedrohenden Seuchen. Zu den alt⸗ bekannten Zoonosen, wie Milzbrand, Pest, Tollwut und Srichinose sind gewisse Nahrungsmittelvergiftungen, das Bang- und Mittel- meerfieber, die Weil'sche Krankheit, die Tularämie, die Papageien⸗ krankheit. das Gelbfieber, das Schlammfieber und auch Fleckfieber⸗ arten getreten. In jüngster Zeit ist auch die Malaria in den Bereich dieser Möglichkeit gerückt, nachdem es gelungen ist, den menschlichen Malariaparasiten morphologisch gleiche bei höheren Affen festzustel⸗ len. Auch für die Kinderlähmung kommen Tiere als Verbreitungs⸗ quelle in Frage; Spontaninfektionen sind 1934 und 37 bei Affen in Köln 1 worden.

Bei Zwischenschaltung von Insekten als Aberträger wer den diese zu zeitweisen Heimstätten der Mikroben, sei es, daß sie diese nur vorübergehend beherbergen oder ihnen auch Gelegenheit zur Ver mehrung und Umwandlung bieten oder die geschlechtliche Entwick lung als echte Wirte ermöglichen. So vermehren sich die Pesterreger im Flohmagen, die Metamorphose der Mikrofilarien vollzieht sich in der Stechmückenmuskulatur und der geschlechtliche Entwicklungsgang der Malariaplasmodien im Anophelesweibchen. Dieser Aufenthalt im Wirtsorganismus kann sich ohne Virulenzverlust auf lange Zeit erstrecken, wie Aberwinterungsversuche des Plasmodium vivax in Ano⸗ phelen ergaben. Infizierte Mücken, die von November bis März bei Temperaturen unter 12 gehalten wurden, waren im Mai noch in⸗ fektionstüchtig für den Menschen. Eine germinale Infektion der Frucht ist bei den Säugetieren nicht nachgewiesen, dagegen die Möglichkeit von plazentaren Infektionen, so bei der Lues und der Tuberkulose. Die Spirochäteninfektion beim afrikanischen Rückfallfieber geht aber auf die Zeckeneier und die nächsten Zeckengenerationen über. Bei der großen Widerstandsfähigkeit der Zecken, die der der Wanzen gleicht, kann somit die Kontinuität einer ortsgebundenen Seuche aufrecht er⸗ halten bleiben ohne Feststellung einer Kontinuität der Krankheitsfälle.