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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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abstufung zeigen, daß die Hiebe in gesamtwirtschaftlich günstigster Form einander folgen. Die Hiebszüge wieder werden in Schlagreihen aufgegliedert. Das Wagner'sche Saumschlagprinzip beherrscht den Waldaufbau in den Nadelholzforsten Württembergs, aber auch in Bayern, Baden, Hessen und vereinzelt in Norddeutschland hat sich der Wagner'sche Gedanke durchgesetzt.

Die Entwicklung der räumlichen Ordnung geht somit seit 150 Jahren dahin, von immer größeren Flächen auf kleinere Flächen zu⸗ rückzukehren. Je kleiner aber die Einheit, um so kleiner werden die Hiebszüge und die Schlagreihen.

Nun gibt es neben dieser Art der räumlichen Ordnung noch ein anderes Verfahren, das von grundsätzlich anderen Gesichtspunkten ausgeht. Dieses Verfahren ist vorwiegend bestimmt von der Kon- trollmethode, die in Frankreich geboren, aber in der Schweiz zur Entwicklung gebracht wurde und neuerdings im Reichsforstamt starke Sympathie gefunden hat. Die Kontrollmethode will die Forderungen des Forstschutzes und der Biologie nicht auf dem Wege der räumlichen Ordnung durchführen, sondern durch eine besondere Form des Be stockungsaufbaues. Der gleichaltrige und vor allem der gleichartige Hochwald wird grundsätzlich verworfen, dafür wird der geschichtete oder stufenförmige Bestockungsaufbau im Wischwald angestrebt. Einen derartigen Waldaufbau bezeichnet man als Femelwald oder als Blenderwald. Die einzelnen Altersstufen sind nicht flächenweise getrennt, sondern einzel-, trupp- und horstweise gemischt.

Es ist zweifellos, daß der Blenderwald in seiner idealen Form sturmfest ist, weil die Althölzer gewissermaßen im Freistand erwachsen. Trotzdem hat der Blenderwald nur örtliche Bedeutung, denn er ist an Kalkformationen gebunden, an Srtlichkeiten mit hohen Niederschlägen und an Schattenhölzer, also nur geeignet für Weißtanne, Fichte und Buche. Damit ist der Ausbreitung des Blenderwaldes in Deutschland eine natürliche pflanzengeographische Grenze gesetzt.

Die räumliche Ordnung im Walde ist eine rein technische Frage. Es sei aber darauf verwiesen, daß der Wald in Deutschland mehr ist als eine Stätte der Holzerzeugung, er ist ein Ort der Erholung und seelischen Entspannung für Willionen deutscher Volksgenossen. Der Forstmann muß deshalb darauf achten, daß eine solche Form des Waldaufbaus gewählt wird, die auch vom Standpunkt der Asthetik aus befriedigt. Ich möchte weiter darauf verweisen, daß der Wald aufbau auch für die Frage der Landesverteidigung nicht ohne Be