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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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Verlauf der letzten zwei Jahrhunderte erlebt hat. Der Wald des Mittelalters und der neueren Zeit bis in das 18. Jahrhundert hin⸗ ein besaß keinen räumlich geordneten Aufbau. Man machte von dem Deckungsprinzip noch keinen Gebrauch. Die Ernte griff vielmehr stammweise ein, wie gerade das Bedürfnis vorlag. In der Sprache der forstlichen Technik spricht man von einem Blenderhieb. Der Blenderhieb aber schuf einen Bestockungsaufbau, bei dem die An⸗ gleichaltrigkeit das Bestandesbild beherrschte. Es entstanden verlich tete, ungleichaltrige und ungleichwüchsige Bestände. Neben diesen blenderwaldartigen und femelwaldartigen Beständen waren große Flächen mit Niederwald und mit Mittelwald bedeckt. Das Märchen von den riesenhaften Holzvorräten früherer Zeit entspricht nicht den Tatsachen. Der Wald des 18. Jahrhunderts war vielmehr vorrats arm, Raubbau und Anvernunft hatten die Vorräte gemindert und die Bodenkraft geschädigt. Ahnlich wie in der Landwirtschaft hat auch die Forstwirtschaft in anderthalb Jahrhunderten den Ertrag und den Vorrat auf das drei- bis fünffache gehoben. Diesem regellosen Blen⸗ derbetrieb hat nun Georg Ludwig Hartig ein anderes Prinzip ent gegengesetzt. Er verlangte, daß die Nutzungen nicht alljährlich auf der ganzen Betriebsfläche erhoben werden, sondern daß sie zu kon⸗ zentrieren seien. Hartig wollte die Distriktsflächeneinheit. Wenn Sie annehmen, daß ein Buchenwald in 120 jährigem Umtrieb behandelt wird, dann wollte Hartig sechs große in sich gleichaltrige Flächen schaffen. Der älteste Block sollte im Osten liegen, der jüngste Block im Westen. Hartig hat also an die Stelle des ungleichaltrigen Bestockungsaufbaus den gleichaltrigen und gleichartigen Hochwald gesetzt. Hartig, der ein Sohn des hessischen Berglandes war, hat seine Lehren abgestellt auf den Buchenhochwald, dessen Erretter er wurde und dessen heutiger Aufbau und räumliche Ordnung im wesent⸗ lichen als ein Ergebnis seiner Lehren anzusprechen sind. Wenn Sie heute einen Buchenwald durchwandern, dann können Sie feststellen, daß auf großen Flächen gleichaltrige Bestände vorhanden sind. Die Natur selbst hat den Vorschlag Hartigs gestützt und gefördert. Die Buchenmastjahre von 1800, 1811, 1823, 1834 und 1843 waren von einer unvorstellbaren Ergiebigkeit. Und was bei der Buche besonders wichtig ist, auch das auf das jeweilige Mastjahr folgende Jahr zeigte einen für den Keimakt und das Anwachsen der Verjüngung außer ordentlich günstigen Verlauf. Insbesondere ist hier das Auftreten der Spätfröste entscheidend. Der Großschirmschlagbetrieb Hartigs wurde zu einem triumphalen Erfolg. Die Buchenalthölzer der Gegen⸗