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allem aber auch darin, daß am Aufbau dieser Wissenschaft ausschließ⸗ lich Männer deutschen Stammes und Blutes beteiligt waren.
Der erste, der die Forderung der Nachhaltigkeit in klare Worte formulierte und der zugleich einer der drei Begründer der modernen Forstwissenschaft ist, war Georg Ludwig Hartig. In seiner„An⸗ weisung zur Taxation und Beschreibung der Forste“ sagt er,„daß jede weise Forstdirektion die Waldungen des Staates zwar so hoch als möglich, doch so zu benutzen suche, daß die Nachkommenschaft wenigstens ebensoviel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet“. Der Name Hartig ist für die Aniver—
sität Gießen nicht ohne Bedeutung. Hartig ist einmal ein Kind unseres
engeren Heimatlandes, und er war einer der ersten Forstleute, die in Gießen von 1781-1783 Kameralia und Naturwissenschaften studierte. In den bescheidenen und einfachen Worten, die Hartig ausspricht, steckt mehr Lebensweisheit und völkische Verantwortung, als viele Schriftsteller in der Nachkriegszeit mit ihrem Wortgeklingel jemals ausgesprochen haben. Der Grundsatz der Nachhaltigkeit wurde von Hartig zum Sittengesetz der Forstwirtschaft erhoben, er stellte die Tätigkeit des Forstmannes zwischen die Geschlechter. Der Forstmann erntete das, was vergangene Generationen gesät hatten, und seine eigene Tätigkeit sollte wieder späteren Nachfahren zugute kommen.
Die Nachhaltigkeit wurde aber außerdem zum Ausgangspunkt der gesamten Forstwissenschaft, denn von dieser Forderung aus hat man über die Voraussetzungen nachgedacht, die erfüllt werden müssen, wenn man einen forstlichen Betrieb nachhaltig bewirtschaften will. So entstand die Theorie vom Normalwald der nichts anderes ist als ein idealer Wirtschaftswald, der alle Voraussetzungen erfüllt, um die Dauer, das Gleichmaß und die Stetigkeit der Nutzungen sicher— zustellen. Auch hier gebührt der Universität Gießen der hohe Ruhm, daß die Theorie des Normalwaldes von den ersten beiden Lehrern unseres Forstinstituts ausgebaut wurde, eine Lehre, die inzwischen ihren Siegeslauf um den ganzen Erdball angetreten hat und überall dort Gültigkeit besitzt, wo man eine nachhaltige Forstwirtschaft zu treiben bemüht ist.
Johann Christian Hundeshagen(er verstarb 1834 als 51jähriger in Gießen) und Karl Heyer(er wirkte von 1826 bis 1856 hier als Lehrer der Forstwissenschaft) haben die Lehre vom Normalwald ausgebaut und begründet. Darnach kann man die Be⸗ dingungen eines idealen Wirtschaftswaldes wie folgt zusammenfassen: Der Wald ist normal, wenn:


