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40 Scholien mit Hellanikosbruchstück und Simonideszitat 23

Schneider). Trotzdem wird Kallimachos diese Version schwerlich erst auf gebracht haben(audprupov obdey deidul), sondern sie ist höchst wahrschein- lich schon älter, da sie so nahelag(vgl. Holzinger zu Lykophron 1143). Nach ihr hätten dann auch alljährlich die Lokrer zur Sühne für diesen Frevel an der Schutzbefohlenen der jungfräulichen Göttin zwei Mädchen nach Troja geschickt. Diese mußten dort zunächst eine nächtliche Jagd des Pöbels unter Todesängsten über sich ergehen lassen und dann als Tempeldiene- rinnen das Heiligtum der Athene kehren und bis ins höchste Alter ehelos bleiben. Dieses Sühnopfer der Lokrer ist historische Tatsache; es bestand noch bis zur Zeit des Plutarch De sera numinis vindicta 12. 557 D). Wann die Sitte entstanden war, ist nicht sicher; Strabon 13, 600 f. hat dafür zwei Versionen: nach der Erzählung der Ilier sollen die Lokrer schon kurz nach der Eroberung llions damit begonnen haben, nach anderer Meinung erst, als die Perser schon(in Kleinasien) herrschten(Hepcù dn Dοαστοοννννον nicht: zur Zeit der Perserkriege, wie Fleischer bei Roscher J 138 meint). Immerhin könnte also auch nach dem vorsichtigeren Ansatz Strabons Hella- nikos von der Sache berichtet haben. Uber alles Nähere s. Fleischer bei Roscher 1 133 ff., Toepffer bei PW I 936 ff., Gebhardt bei PW VA 1298 f.; dort auch eine Zusammenstellung der antiken Stellen und der neueren Lite- ratur; besonders beachtenswert Friedrich Schwenn, Die Menschenopfer bei den Griechen und Römern, Gießen 1915, RVV XV 3), S. 47 ff. mit noch weiteren Literaturangaben.

Außer Hellanikos erscheint in unseren Scholien II Simonides, offenbar der Keer. Ob dieses Simonideszitat einen Bestandteil des Hella- nikosbruchstücks bildete oder von dem Scholiasten selbständig angeführt wurde, läßt sich nicht ausmachen. Jedenfalls erscheinen auch im folgenden deutliche Spuren jonischer Prosa: IIS HG) lo ο), 6 Hrepi(c v). In II 2 berp(ac) un uch und II 3 ipds dcpeu(Ovae) Könnte man daktylischen Rhythmus heraushören wollen(auch Sim. fr. 20, 4D. ist sepdùy statt ĩpd überliefert).

Weiteren Untersuchungen und etwaigen neuen Funden muß es vor- behalten bleiben, über den völlig dunklen Zusammenhang dieser Erwäh- nungen mit der Hon och, mit den kleinasiatischen Ortschaften Pterie und Karussa(II 6. 7. 8. 0) sowie mit den Athenern(II 12) und den Leuten(2) ey Hepoidi(II 10) Licht zu verbreiten. Auf eine Möglichkeit wenigstens zwischen der dem Anschein nach in 16 erwähnten Iphigenie und den in II 6 ff. genannten kleinasiatischen Ortschaften eine Verbindung herzustellen hat mich Prof. Kalbfleisch während der Drucklegung dieser Arbeit aufmerk- sam gemacht. Das von Iphigenie und Orestes aus dem Taurierlande mit- genommene Artemisbild zu besitzen rühmten sich auch kleinasiatische Städte. Prokop läßt die Geschwister das Kultbild zuerst nach dem pon tischen, dann nach dem kappadokischen, Komana bringen, Strabo umgekehrt (S. Kjellberg, Iphigeneia bei PW IX 2596). Das pontische Komana liegt aber nicht allzuweit von Pteria(s. zu II 6) und von Karusa, das II9 als Landungsplatz bezeichnet wird. Wir haben also in unseren Scholien viel- leicht ein Stück der Gründungslegende des Tempels der Artemis Tauro polos(Enyo-Ma) und der Iphigeneia in Komona vor uns. Auch ot ev Hepoidi