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8 35 Christliches Gebet

Die Zeilen beginnen nach einem fast I cm breiten Rand genau senk- recht untereinander; nur die oberste, von der nur unsichere Spuren er- halten sind, war wohl etwas ausgerückt(vgl. unten zu Z. 1). In der Zeile stehen zwischen 12 und 15 Buchstaben. Auch die Zeilenenden sind voll- ständig erhalten(nur am Ende von Z. 6 ist das Pergament etwas durch- löchert), teilweise auch noch etwas Rand. Oben ist das Blatt stark zerfetzt, am linken Rand dagegen und unten, wie schon erwähnt, gerade abge- schnitten. Unten haben wir das Schlubzeichen und ein zwischen zwei Punkte gesetztes und mit einem darübergezogenen waagerechten, rechts nach unten gebogenen Strich versehenes A, wonach hier wohl ein viertes Buch oder ein vierter Abschnitt endete(vgl. Gardthausen, Gr. Pal. 2 II S. 360). Darunter zieht sich über die ganze Zeilenbreite als Schlußornament ein waagrechter Strich, zweimal unterbrochen durch drei Punkte. Unter diesem Strich stehen noch geringe Spuren einer weiteren Zeile, die entweder als Subskription den Titel enthielt oder auch bereits den Anfang des fünften Buches oder Abschnitts. 5

Den Inhalt bildet ein christliches Gebet, wie aus dem gut ver- ständlichen Schluß klar hervorgeht. Vorher scheint der Beter Gott an frühere Wohltaten zu erinnern, um so auch in diesem Fall Hilfe zu er langen, eine Art des Gebetsstils, wie sie sich ja auch sonst häufig findet und dem natürlichen Menschen naheliegt. Mit letzter Sicherheit ist aller- dings der Text nicht zu rekonstruieren, wie weiter unten bei der Einzel- behandlung noch deutlich werden wird; auch seine nähere oder entferntere Zugehörigkeit bleibt dunkel. Immerhin seien als Möglichkeiten erwähnt: Es könnte sich um ein rein persönliches, vom Schreiber am Ende eines Buches von sonst ganz anderem Inhalt ausgesprochenes Gebet handeln, wie wir es häufig in mittelalterlichen Handschriften finden; dagegen spricht allerdings der stark spezielle Inhalt, der vielleicht den Wunsch auf Be freiung aus einer Krankheit erkennen läßt; außerdem pflegt dergleichen hinter, nicht vor dem Buchschlußzeichen(hier P) zu stehen. Es könnte auch aus einer offiziellen liturgischen Sammlung stammen und wäre dann etwa der Schluß einer Krankenliturgie oder ein frei komponiertes Stück für einen Tag, an dem die Evangelienperikope eine der beiden darin er- wähnten Heilungen(s. u. zu Z. 2 u. 3) oder auch eine andere im nicht er- haltenen Teil des Blattes erwähnte behandelte. Endlich könnte es zu einem privaten Gebetbuch gehört haben; hierbei erschiene mir das d am Schluß etwas merkwürdig; denn bei der starken Hervorhebung des Ab- schlusses auch noch durch das Schlußornament sollte hier doch wohl das Ende eines zum mindesten größeren Abschnitts angezeigt werden, nicht etwa nur des vierten Stückes einer Gebetssammlung.

jedenfalls scheint das Stück bis jetzt nicht anderweitig bekannt zu sein, aber wie mir P. Odilo Heiming, Maria-Laach, der mich auch auf einige der oben erwähnten Deutungsversuche hinwies, auf eine Anfrage freundlichst mitteilte, wäre es bei der Fülle des gedruckten wie ungedruck- ten Materials an Gebeten des altchristlichen Orients nicht unmöglich, daß Gleiches oder Ahnliches eines Tages irgendwo auftauchte.