Ausgabe 
4.11.1914
 
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Bow Krieg im Osten.

Budapest, 2. Nov. (SB. B. Nichtamtlich.) Die Blätter berichten, daß M e l k o w i c, welches das größte Hindernis auf dem Wege nach V a l j e v o ist, von den Oesterreichern/ eingenommen worden ist, nachdem es in stark betonierten Berschanzungcn von den Serben hartnäckig verteidigt worden war. Die Ser­ben haben sich unter Zurücklassung ihres Trains nach Baljevo zurückgezogen. Zn dem Gefecht bei T ü r k a wurden 2700 Gefangene gemacht, darunter zahlreiche Tataren und Mongolen. Ein großer Teil die­ser Gefangenen ist heute in 30 Waggons in Nyiregy- haza eingetroffen.

Born Krieg im Süden.

Der Scheik-Uel-Jslam, das geistliche Ober­haupt der Mohammedaner, hat eine Proklamation des Kalifen an alle Moslems bekannt gegeben, in der alle Gläubigen zur Verteidigung des Kalifats aufgerufen- werden,

Die türkiscfte Offensive.

In italienischen politischen Kreisen glaubt man, Enoer Bey werde gleichzeitig im Kaukasus, in Aegypten Und in Europa offensiv Vor­gehen. Die Aktion in Europa werde Enver Bey selbst leiten. Die Schiffahrt auf dem Schwarzen Meer ist vollständig eingestellt.

MTB. Konstantinopel, 3. Nov. Es ver­lautet, daß die Hasenbehörde mit der Beschlagnahme der im Hafen befindlichen englischen und französischen Han­delsschiffe begonnen habe.

Konstantinopel, 2. Nov. (Priv.-Tcl. Ltr. Frff.) Ein russischer Angriff an der Grenze bei ErzerUm wurde von den Türken ersolgreich zU- rückgeschlagen.

Kriegsstimmung unter den Türken.

Wien, 2. Nov. __Az Est" erfährt aus K o n - stanlinopel: Die Stimmung erinnert an die Wo- bilisierungstage in Wien und Budapest. Riesengroste grüne Fahnen werden umhergetragen. Derwische schwen­ken unter Geheul blutgetränkte Tücher. Es ist nicht zu verwundern, wenn' sich die Christen fürchten. Alle Männer tragen den Fez. Frauen gehen nicht auf die Straste. Plakate klären das Volk auf. Oester - reicher, Ungarn und Deutsche als Verbündete und Ame­rikaner seien Freunde der Türken, ebenso die Bulgaren. Die Bürger müssen ihrer Neutralität entsprechende K o- k a r d e n tragen.

Die Abreise der Botschafter.

Mailand, 2. Nov. (Cti, Frkf.) Von Konstan- tinopel sind der französische und der e n y l i s^che Botschafter in Salonik eingctr,offen, «ie reisen über Ita­lien heim. Der russische Botschafter ist in Bukarest angekommen.

f. Gens, 2. Nov. (Ctr. Frks.) Nach hier vor­liegenden Meldungen erhielt der türkische Botschaf­ter in Frankreich seine Pässe zugestellt.

London, 2. Nov. (3B. B. Nichtamtlich.) Der türkische Botschafter hat Sir Edward Erey einen Abschiedsbesuch gemacht. Er reist morgen ab.

WTB. K o n st a n t i n o p e l, 2. Nov. Die ser­bische Gesandtschaft hat das serbische Wappen von dem

Ein stiller Mensch

Roman von Paul B l i h.

Nachdruck verboten.

rrnv auch der Vo'er schwica. Auch er blickte nn- derwandl zu seinem ältesten Sobn bin. Wie stol>. wie würdevoll er da stand. Nichr vm eines Haares Breite vergab er sich etwas. Nnhig, wie aus Erz gegossen, so stand er da. Ein Mann der barten Arbeit ein echter, kerniger Bauer. Nein, wabrhastig der konnte in die­sem Fall gar nicht anders handeln! Das begrifs er nun klar und deutlich. Und wie er das alles letzt so über­dachte, so konnte er dem Jungen deshalb nicht mal böse werden, nein, wirklich, er brachte es nicht fertig.

Endlich fragte er:Nun und was aekchah Weiler?"

Ich empfahl ibm. sich Dir rückhaltlos zu erklären."

Der Vater nickte sorgenvoll.

Aber Tante wimmerte:O Kalt, der arme Junge, er hat sich gewiß etwas angetan!"

Bruno batte ein berbes Wort bereit, aber er sprach es nicht ans. Smmm stand er da und hielt den wü­tenden Blick der Tante aus.

Dann erhob sich der alte Herr. Mit kurzem Gruß trennte man sich. Und nun zurück.

Es war inzwischen dunkel und kühl geworden, so daß der Kutscher das Verdeck des Wagens schloß.

Tantchen saß und weinte still in ihr Tuch.

Auch der Bruder schwieg.--Plötzlich, als er

über alles Gehörte jetzt nachdachte, kam es wie eine wilde Wut über ihn und er sagte:Nie hätte ich ihm das zugetraut, dem Jungen! Für so leichtsinnig hätte ich ihn doch nicht gehalten! Mich so z täuschen! Mit keinem Wort hat er's auch nur angedeutct, als er vor­mittags bei mir im Zimmer war. Mich so zu hinter­gehen! Das verzeihe ich ibm nie!"

Aber, mein Gott, er hat Dich eben schonen wol­len, weil Du krank warst!"

Unsinn! In solchen Sachen soll man nichts ver­tuschen. Tu sichst ja, wohin es nun führt. So ein dummer Junge!" Verbittert schwieg er.

Und Tantchen schluchzte weiter:Wenn ich nur fehl wüßte, wo er ist." _________

Eesandlschaftsgebäude entfernt. Der serbische Gesandte wird entweder heute abend oder morgen abreisen.

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Japan gegen die Türkei.

Anssehen erregt in Konstantinopel, wie derAz Eft" meldet, eine Note, die nach Mitteilung des Vize­präsidenten des türkischen Senats von Japan der Hohen Pforte zugestellt worden ist. Japan hat am Gol­denen Horn keine eigene Vertretung, und so erschien denn ein Sondergesandter aus Rußland und überreichte, be­gleitet von dem englischen Botschafter, die japanische Note. Darin wird betont, dast Japan als asiati­sche Macht die Türkei davor warne, weiter auf der schiefen Ebene zu bleiben, da sonst Japan genötigt wäre, sich e i n z ü m i s ch e n. Nach Meinung vieler trage sich Japan mit dem Plane, M e s o p o t a m i e n zu be­setzen. Jedoch verlautet hierüber in der Note nichts.

Dreibundfreundlichc Stimmung.

Sofia. Die Eröffnung des Krieges durch die

Türkei hat in B n l g a r i e n allgemein Gefühle der Erleichterung und der Zufriedenheit darüber ausgelöst, dast mönmehr die endgültige Lösung der mazedoni­schen Frage näher gerückt sei. Ueber die weitere Entwickelung macht man sich hier noch keine bestimmten Vorstellungen. Bulgariens Rolle hängt nach der An­sicht der meisten Politiker von der Entschliestung Ru­mäniens wb.

In Rumänien wird nichts gegen Oester­reich unternommen.

Berlin, 2. Nov. Der Wiener Korrespondent der Vossischen Zeitung" meldet, ihm werde an gnechischer,, gut unterrichteter Stelle versichert, dast die Friedensbe ­strebungen in Griechenland sehr wirken; nur für den Fall, dast Bulgarien Griechenland angreife, würde Grie­chenland seine Neutralität aufgeben.

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WTB. Jaffa, 2, Nov. Im ganzen Lande fan­den sudelnde Kundgebungen für die Tückei und die Verbündeten statt.

Vom Seekrieg.

WTB. London, 1. Nov. (Nichtamtlich.) Amt­lich wird Unter dem 31. Oktober gemeldet: Ein deut­sches Unterseeboot brachte heute im englischen Kanal den allen englischen KreuzerH e r m e s", der von Dün­kirchen zurückkam, durch einen Torpedoschuß _ jum Sinken. Beinahe alle Offiziere und Mannschaften wurden gerettet.

London. Hier lief Samstag srüh die Meldung ein von einer neuen Seeschlacht zwischen der Schwarzen Meer-Flotte und den türkischen Kriegsschiffen vor Odessa. Das Ergebnis ist noch unbekannt.

WTB. Konstantinopel, 2. Nov. Eine e n g- l i s ch - fr an z ö s i s ch> e Flotte ist gestern vormit­tag im Golf von Jschesme in Kleinasien eingelaufen, wo sie das kleine türkische KanonenbootBurak Reih" utib den DampferKinali Aga" angreisen wollte. Der Kommandant desBurak Reih" versenkte, um ihn nicht vom Feinde vernichten zu lassen, den Dampfer Kinali Aga" und s p r e n g l e das kleine Kanonenboot in die Luft,

WTB. Tokio, 31. Okt, (Nichtamilich.) Amtlich wird bekannt gegeben, dah der allgemeine An­griff auf Tsingtau von der Land- und Seeseite heute vormittag begonnen hat.

Wütend annvoriete er:Das ist doch ganz klar. In Berlin ist er, um Geld aufzutreiben! Anstatt mir offen alles zu bekennen, läuft er nun von einem Freund zum andern, um die Summe zusammen zu bringen. Um ein Loch zuzustopfen, reißt er nun ein neues auf. So ein« kapitale Dummheit! Als ob's dadurch bester würdeft Immer ärgerlicher wurde er. Und da die Schwefle: nichts zu erwidern wagte, sondern immer still in stck hinein weinte, geriet er erst recht in Empörung, die stck schließlich Luft machen mußte. Erregt fuhr er fort:Dt siehst Du nun. wie recht ich hatte, als ich von verkehr ter Erziehung sprach. Nun stehst Du die Früchte dm von. Streng hätten wir ihn halten sollen. Ihn von frühester Jugend auf zur Sparsamkeit erziehen sollen, damit er weiß, wie schwer es ist, sich ebrlicv sein Geld zu verdienen. Ja. ja, daran ist nicht zu rükicln: uns trifft der Vorwurs. und am meisten trifft er Dich."

Die Schwester konnte auch jetzt nichts nwidern. Immer weinte sie still in sich hinein. Gewiß, auch st« fühlte diesen Vorwurf aus sich lasten. Und dennoch konnte sie sich nicht schuldig bekennen. Sie hatte nur getan, was ihr Herz und Gefühl befohlen hatten. Rur aus Liebe, ans re'ner hinacbender Liebe batte sie stets nur gehandelt, nur um das Beste um das Wohl des Zungen war sie bedacht gewesen. Nein, sie fühlte sich frei von Schuld.

Es war, als erriet der Bruder ihre Gedanken, denn er sagte nun:Das Schlimmste ist eben, daß man oft Schwache für Liebe und Güte hält, denn gerade die Schwäche ist es, die alles Unbeil anrichtel: zur Er- Ziehung gehört eine starke Hand! Wollte Gott, meine zweite Frau wäre am Leben geblieben, oder ich wäre gerade in jener Zeit nicht so übermäßig vom Geschäft in Anspruch genommen gewesen, dann wäre alles nicht so schlimm geworden."

Jetzt konnte das Tantchen aber doch nicht länger schweigen. Bikicrt antwo >c»e sie:Natürlich, schieb nur wieder alle Schuld auf mich, das ist Dir ja am be­quemsten. Du selber natürlich brauchst Dir ja auch nicht den geringsten Vorwurs zu n,neben. Daran bin ich schon zur Genüae aewöhnt. Aber eins muß ich Dir denn doch sagen: Denk nur mal darüber nach, ob dem Jungen dieser Lclckitünn nickii im Blute tieei, ob er ibn

WTB. London, 2. Nov. Amtlich wird be - kantü gegeben, daß! sich ein indisches Truppenkonnn- gent mit den englischen und japanischen Streitkräften vor Tsingtau vereinigt hat.

Postverkehr mit den deutsche« Kriegsgefangenen im Anstande.

I. Zugelassen sind:

1. Offene Briefsendungen ohne Nachnahme, und zwar offene gewöhnliche Briefe, Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Geschäftspapiere;

2. Briefe und Kästchen mit Wertangabe ohne Nach­nahme ;

3. Postpakete bis 5 Kg. ohne Nachnahme (nach Frankreich Wertangabe nicht zulässig):

4. Postanweisungen (nur nach Großbritannien und

Frankreich).

II. Die Sendungen sind gebührenftei. Sie müssen mit dem BermeckKriegsgefangenensendung" versehen

sein.

III. Adresse: Möglichst genau!: Vor- und Zuname, Dienstgrad des Gefangenen, Unterbringungslager, La­zarett usw., Bestimmungsort. Es empfiehlt sich, Post­sendungen erst dann an Kriegsgefangene abzufenden, wenn sie ihre Adresse mftgeteilt haben. Auf jeder Send­ung muh der Absender angegeben sein.

I V. Wenn die Adresse eines Kriegsgefangenen an­derweit nicht zu ermitteln ist, kann die Mitwirkung einer der nachbezeichneten Auskunftsstellen in Anspruch ge­nommen werden:

1. Zentral-Nachwcise-Bureau des Kriegsminifte- riums:

Berlin N. W. 7, DorotheeNftraße 48.

2. Agence de renseignements pour prisonniers de guerre:

Genf, rue de lAthenee 3.

3. La croix rouge francjaise Commission des prison­niers de guerre:

Bordeaux. 56 Quai des Chartrons.

(Auskunft über Kriegsgefangene in Frankreich.)

4. The Prisoners of War Information Bureau: London, 49 Wellington Street, Strand.

(Auskunft über Kriegsgefangene in Großbritannien.)

5. Das Dänische Rote Kreuz in

Kopenhagen.

(Auskunft über Kriegsgefangene in Rußland.)

6 Kommander Prisoners' o( war:

Gibraltar. *

(Auskunft über Kriegsgefangene in Gibraltar.)

Sendungen an diese AuSkunstsstellcn müssen offen sein und, wenn sie portofrei befördert weiden sollen, den Vermerk:Kriegsgefangenensendung" tragen.

Besondere Bestimmungen:

a) Für Pakete gelten die im Paketposttarif süi das Ausland eutyaltenen VersendnNgsvorfchristen in ihrem vollen Umfange (Auslands-Paketkarte, Zoll-Inhaltser­klärungen usw.).

b) Für Postanweisungen ist das für denAuSlauds- rerkehr bestimmte Formular zu verwenden. Auf der Borderseiie müssen sitz folgende Adreffe tragen:

1. Für Frankreich:

Oberpostkontrolle Bern (Schwelz).

2. Für Großbritannien:

Königlich Niederländisches Postamt s'E raven- h a g e.

map von Dir geervr ynr- ^?ch besinne mich noch sehr genau daraus, wie oft der selige Pater ans Deine Groß­mannssucht und aus Deinen Leichtsinn gescholten bat. als Du damals Mitte der Zwanziger warst. Das. bitte, zieh auch mal in Betracht, bevor Du alle Schuld an dem Unheil allein der verkehrten Erziehuna znschiebst."

Kampfbereit entgegnete er sofort:Gewiß. ich spreche mich auch durchaus nicht ganz ftei von Schuld. Und ich bestreite noch weniger. daß ich in jungen Jah­ren einen starken Hang zum Leichtsinn hatte. Keinen Augenblick lengn- ich das. Aber ich habe mich zur rech­ten Zeit znrückgesnndcn aus dem Wea. der znm gercael- ten bürgerlichen Leben führt. Ich habe die Kraft be­soffen, zur .echten Zeit Schluß zu machen mit den Lot- tereicn. Und übrigens derartig dumme, hirnverbrannte Chosen habe ich Venn doch niemals gemacht, das Zeug­nis dars iw mir getrost ausstcllen."

Schluchzend erinnerte sie ibn daran, daß der arme Junge am Leben der Kleinstadt verkümmere.

Doch auch daran! tat er sogleich Bescheid:Das ist nun der bare Unsinn, mein liebes Kind Wenn dos jemand am eigenen Leibe erfahren bat. dann bin ich es. Jawobl. so ist cs. Glaub' mir nur, als ich da­mals hier bleiben mutzte, da bat sich in mir auch alles oagegcn gesiränbl, denn auch mich zoa es hinaus in die Welt mit ihren viele» Freuden nnd Genüffcn, anch ich habe Wochen-, ach, monatelang mil aller Gewalt und Zähigkeit der Jugend dagegen angekämvft. bis ich dann eines Tages vernünstig wurde und einschen lernte, daß cs hier zu Haiise doch besser war, daß cs hier einen Schatz zu hüten nnd zi, wahren ga!>, ja, daß es so­gar meine heilige Pflicht war das Erbe der Väter hoch zu halten, zu schiitzcn und zn inehren! Sichst Du, sn ist es damals gewesen. Das Mittel, das mich vor der Eintönigkeit nnd Langeweile des Kleinstadtlcbens be­wahrt hat, das war die Arbeit, das war die Erfüllung niciner Pflicht, das Vermächtnis der Vorigbren in Ehren zu halten. Zur unsere Firma, für die Ebie und Güte unseres Hauses habe ich gearbeitet nnd damals meine tollen Jngendplänc wpserl. Siehst D». so war es, und nicht anders "

Fortsetzung solgL