Ausgabe 
4.11.1914
 
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Nr. 88.

Mittwoch den 4. November 1914. r°l-phon s^. ^ 26 . Jahry.

Das Kampffeld im Dordweften Frankreichs überfchwemmt.

Die Deutschen rücken nach Calais zu weiter vor.

Die Türkei an der Seite Deutschlands und Defterreich-Dngarn.

Dreibundfreundliche Nachrichten aus Bulgarien, Rumänien und Griechenland.

Amtliche Tagesberichte.

WTB. Großes Hauptquartier, 1. Nov., vorm. (Amtlich.) In Belgien werden die Opera- ticnen durch Ueberschwemmungen erschwert, die am Mer- Yper-Kanal durch Zerstörung von Schleusen bei Nieuport herdeigeführt sind.

Bei Ypres sind unsere Truppen weiter vorge - drungen; es wurden mindestens 800 Gesangene gemacht und einige Geschütze der Engländer erbeutet.

Auch die w e st l i ch Lille kämpfenden Truppen sind vorwärts gekommen. Die Zahl der bei Vailly ge­machten Gefangenen erhöhte sich aus etwa 1500.

In der Gegend von Verdun und T o u l fan­den nur kleinere Kämpfe statt.

Im Nordosten standen unsere Truppen auch gestern noch im unentschiedenen Kampfe mit den Russen. * * *

MTB. Berlin, 2. Nov. (Amtlich.) Die nicht - amtliche Meldung über die am 31. Oktober «rsolgte Ver­nichtung des englischen KreuzersHermes" durch ein deutsches Unterseeboot wird hiermit amtlich bestätigt. Das Unterseeboot ist wohlbehalten zurückgekehrt.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabes: gez.: B e h n ck e.

Grohes Hauptquartier, 3. Nov. (W. B. Amtlich.) Die Ueberschwemmungen südlich Nieuport schliehen jede Operation in dieser Gegend aus. Die Ländereien sind sür lange Zeit vernichtet. Das Wasser steht zum Teil über manneshoch. Unsere Truppen sind aus dem überschwemmten Gebiete ohne jeden Vertu st an Mannschaften, Pferden, Geschüt­zen und Fahrzeugen herausgezogen. Unser An­griff aus ypres schreitet vorwärts. Ueber 2 30 0 Mann, meistens Engländer, wurden zu Ge­fangenen gemacht und mehrere Maschinengewehre «rbeiltet.

In der Gegend westlich von R o y e fanden erbit­terte,^ für beide Seiten verlustreiche Kämpfe statt, die aber kein« Veränderung der dortigen Lage brachten. Wir verloren dabei in einem Dorsgefecht einige hundert Mann als Vermißte und zwei Geschütze. Von gutem Er­folg waren unsere Angriffe an der A i s n e. östlich S o i s s o n s. Unsere Truppen nahmen trotz heftigsten feindlichen Widerstandes mehrere stark befestigte Stell - ungen im Sturm, setzten sich in den Besitz von C h a - v o n n e Und S o U p i r, machten über 1000 Fran­zosen zu Gefangenen und erbeuteten d re i G e- schütze und vier Maschinengewehre. Neben der Kathedrale von Caissons brachten die Franzosen eine schwere Batterie in Stellung, deren Beobachter auf dem Kaihedralturm erkannt wurde. Die Folgen eines solchen Verfahrens, in dem ein System erblickt werden kann, liegen auf der Hand.

Zwischen Verdun und T o u l wurden verschie­dene "Angriffe der Franzosen abgewiesen. Die Franzo­sen trugen teilweise derttsche Mäntel und Helme. In den V o g e s e n in der Gegend von M a r k i r ch wurde ein Angriff der Franzosen abgeschlagen; unsere Truppen gingen zuM Gegenangriff über.

Im O st e n sind die Operationen noch in der Ent­wicklung. Zusammenstöße fanden nicht statt. Zur Fort- nahme einer zur Sprengung vorbereiteten Brücke trie­ben am 1. November die Russen (1. sibirisches Armee­korps) die Zivilbevölkerung vor ihrer Vorhut her.

* * *

Vor Kiautfchau.

WTB. Tokio, 3. Nov. Amtlich wird bekannt ge­geben, daß die Beschießung von Tsingtau andauert. Die

meisten deutschen Forts sind zum Schweigen gebracht, nur zwei beantworten unaufhörlich die zu Wasser und zu Lande unternommenen Angriffe der Verbündeten. Das Bornbardement verursachte eine FeNersbruNst in der Nähe des Hafens und die Erplosiön eines Oeltanks. Das Fort SicochaNshau steht in Flammen. Ein deut­sches Kanonenboot, das den Schornstein verlor, ist nicht mehr sichtbar.

WTB. Wien, 2. Nov. Amtlich wird verlaut - bart 2. November, mittags. Die Kämpfe in Russisch- Polen dauern an. In den Gefechten am San hatten die Russen namentlich bei Rozwadow schwere Verluste. Wir machten dort 400 Gefangene und erbeuteten drei Maschinengewehre. Südlich Staby-Sam- bor nahmen wir auch 400 Russen gefangen. In die­sem Raum und nordöstlich Turka rückten w i r weiter vor.

Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabs: von H ö f e r, Generalmajor.

WTB. Wien, 2. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlaut bart: Unsere Offensive durch die Matschwa schreitet siegreich vorwärts. Aus den befeftig- ten Stellungen vertrieben, leistete der Gegner bisher nur wenig Widerstand. Nur an der Nordlisiere von Scha- batz mußten stark verschanzte Positionen im Sturm­angriff genommen werden. Unsere durch die Matsch­wa vorgerückten Kolonnen haben bereits die Bahnlinie Schabatz-Ljesnitza überschritten; die Kavallerie ist am Feinde und machte auch Gefangene. Schabatz selbst wurde nachts erstürmt.

Einen schweren V e r l U st haben unsere Balkan- Streitträfte zu beklagen: Der Feldpilot Oberleutnant

S a n ch e z wurde von einem feindlichen Geschoß, wel­ches auch seinen Beobachter verletzte, schwer verwundet. Trotz furchtbarer Schmerzen vermochte der wackere Pi- iot mit Aufbietung der letzten Kräfte den Apparat auf den zicka 70 Kilometer entfernten Flugplatz. zU steuern und glatt zu landen. Er st a r b gestern; vorher hatte er das von Sr. Majestät telegraphisch verliehene Mili- tärverdienstkreuz erhalten.

P o t i o r e k, Feldzeugmeister.

WTB. Wien, 3. Nov. Amtlich wird verlautbart,

3. November: Erst jetzt läßt sich der in der M a c v a errungene Erfolg voll überblicken. Die dort gestanden« zweite serbische Armee unter General Stepanovic mit vier bis fünf Divisionen konnte sich nur durch übereili­gen Rückzug, wobei sie Vorräte aller Art und ihre Trains im Stiche lassen mußte und zahlreiche Gesangene verlor, aus der bedrohlichen Situation retten. Der Feind ist, ohne in seinen vorbereiteten rückwärtigen Stellungen Neuerdings Widerstand zu leisten, in einem Zuge bis in das Hügelland südlich von Sabac zurückgewichen. Er ! leistete nur noch bei Sabac, welches in der Nacht vom 1. auf den 2. November von unseren tapferen Trup - pen erstürmt wurde, hartnäckigen aber vergeblichen Wi­derstand.

P o t i o r e k, Feldzeugmeister.

* * *

Konstanlinopel, 2. Nov. (W. B. Nicht­amtlich.) Der amtliche türkische Bericht, durch dieAgence Ottomane" veröffentlicht, besagt:Nach

amtlichen Nachrichten von der kaukasischen Grenze haben die Russen an mehreren Punkten unsere Grenztruppen angegriffen, wobei sie zum Teil dank dem energischen Widerstand, der von den tür- | kischen Truppen ihnen entgegengesetzt wurde, Verluste > erlitten. Inr M i t t e l m e e r haben englische Kreu- j zer das Feuer eröffnet und ein griechisches Tor­

pedoboot, das sich ihnen näherte, zum Sinken ge­bracht, da sie es für ein türkisches hielten. Diese beiden Ereignisse zeigen, daß unsere Feinde zu Wasser und zu Lande die Feindseligkeiten gegen uns eröffnet haben, die sie seit langer Zeit gegen uns vorhatten. Die ganze ottomanischc Nation ist bereit, vertragend auf den Schutz Gottes, den einzigen Schützer von Recht und Billigkeit, auf diese Angriffe zU antworten, die daraus abzielen, unsere Eristenz zu vernichte n."

Vom Krieg im Westen.

(ctr. Bln.) Genf. Das BlattCourier" berichtet: Die französischen Garnisonen an der ita­lienisch e n Grenze sind in den letzten drei Wochen wieder neu belegt worden, nachdem fast sämtliche TrUppenstandpUnkte gegen Italien Ende September zur Verstärkung der ftanzösifchen Front an der Marne ge­räumt worden waren.

* Der ganzen fünften Kompagnie des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 88, die sich zum größ­ten Teil aus Reservisten der Provinz Rheinhessen zu­sammenfetzt, wttrd. für tapferes Verhalten in einem Gefecht am 26. September in Nordsrankreich die hes­sische Medaille für Tapferkeit verliehen. Vorläufig tragen Kompagnieführer und Feldwebel diese Auszeichnung.

Der wahre Grund Englands zu seiner Kricgsbctciligiing.

Da das Märchen, England habe zu den Waffen gegriffen, um die verletzteNeutralität" Belgiens zu rächen, hier und da noch spukt, ist es von Interesse, festzustellen, daß dieTime s" in ihrer Nummer vom 14. Oktober die Echtheit der in Brüssel auf­gefundenen Akten st ücke nicht bezweifelt, aus denen hervorgeht, daß Belgien schon vor Jahren mit England und den anderen Mächten der Triple-Entente über eine Kooperation gegen Deutschland im Falle eines Krieges verhandelt hat.

Dazu bemerkt dieVoffische Zeitung": Wo bleibt da die gerade in England so vielberufene Neutra­lität Belgiens? Zwei Tage vorher, am 12. Oktober, veröffentlichte dasselbe Blatt aus Seite 3 «inen Auszug autz einer Rede, die der High Chancellor Lord Haldane am 10. Oktober in Newcastle upon Tyne gehalten hatte. Hier, im verschwiegenen Kreise scharf - denkender Nordengländer, wurde ein ganz anderer Gnmd angegeben, warum England dieheilige Pflicht" (sacred duty) gehabt habe, sich am Kriege zu beteiligen: Sonst nämlich so habe Haldane gesagt hätte Frankreich zerschmettert uttd samt Belgien zu einer Provinz (!) Deutschlands gemacht werden können; Holland hätte folgen und Rußland gelähmt werden können ; wo wä­ren dann wir geblieben ohne einen Freund in der Welt? Obwohl nur im Auszug desTimes"-Berichterstatters wiedergegeben, klingt dies Geständnis von Sir Edward Gregs vettrautem Freund Haldane, der ihn im August 1908 sogar zeitweilig in der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten vertrat, entschieden sachgemäßer als" die populäre uttd fetzt verbrauchte Phrase von der Fürsorge für Belgiens Freiheit."

* Essen (Ruhr). 2. Nov. DerGen.-Anz." mel­det: Ein französischer Flieger, der an seinem Flugzeuge die deutsche Flagge und das Eiserne Kreuz führte, wurde gestern nachmittag am Bahnhof in Düren durch 5 Schüsse beruntergcbolt.