Wintergersten aus diesen Ländern in fortgeschrittenen deut- schen Wirtschaften allmählich Eingang. Sie überragten in Jahren mit ihnen zusagender Witterung die alten einheimi— schen Landsorten durch weit höhere Erträge. Aber in Jahren mit harten Wintern versagten sie, sie wurden oft größtenteils durch Frost vernichtet und machten im Frühjahr eine Neu— bestellung notwendig. Es fehlte ihnen die Widerstandsfähig- keit gegen den deutschen Winter. Hier setzte zielbewußte Aus- lese einzelner deutscher Pioniere auf dem Gebiet der Pflan- zenzüchtung ein und schuf durch systematisch und folgerich- lig durchgeführte Individualauslese Sorten, die unseren Ver- hältnissen besser angepaßt und dementsprechend leistungs- fähiger waren als die ursprünglich eingeführten. So holten wir Gersten aus der Hannah, der böhmischen Provinz, Sommer- Weizen aus Nordfrankreich, Hafer aus Dänemark, um die Bei- spiele für Getreide zu erweitern. Aber auch einheimische Land- sorten wurden der Veredlungsauslese unterzogen und aus die- sen Formengemischen das Leistungsfähigste herausgesucht. Während in anderen Ländern die Pflanzenzüchtung meist staatliche Unterstützung erfuhr, verdankt die deutsche Land- wirtschaft die Zuchterfolge in erster Linie der privaten Ini- tiative. Namentlich war es ein hervorragender Landwirt, der preußische Domänenpächter und Landrat v. Rimpau in Schlanstedt, später Ehrendoktor der Universität Halle-Witten- berg, der bahnbrechend in praktischer, aber auch theoretischer Hinsicht der land wirtschaftlichen Pflanzenzüchtung Richtung gegeben hat. Er hat auch den Weg der Neuzüchtung einge- schlagen und die ersten Erfolge in Deutschland mit Sorten zu verzeichnen, die künstlicher Kreuzung ihr Werden verdan— ken und die teilweise auch heute noch in hohem Ansehen stehen.
Welchen Siegeszug nicht nur über die deutschen, auch über viele Roggenfelder des Auslandes eine deutsche Zucht- sorte, von deutschem Landroggen stammend, genommen hat, den ein märkischer Edelmann im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur der Abstammung, auch seiner Gesinnung nach auf dem bescheidenen, ihm angestammten Gut Petkus in dem ärmsten Teil der Brandenburger Sandbüchse in langjähriger, unermüdlicher Arbeit geschaffen hat, ist vielleicht manchem von Ihnen bekannt. Ferdinand von Lochows Roggen
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