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Mutationstheorie behauptet, daß sprungweise aus inneren Gründen entstehende Umänderungen das wichtigste Moment für die Entwicklung aller Lebewesen darbietet. Diese plötz- lichen Abänderungen, die ebenso gut in äußeren wie inneren Eigenschaften bestehen können, sind nun tatsächlich zu beob- achten. Sie treten explosionsartig auf, können Teile einer Pflanze oder die ganze Pflanze erfassen. Sie sind meist unbe- deutend, werden oft übersehen. Selten dagegen treten große in die Augen springende Mutationen auf. Ihnen allein eigen ist, daß sie das Neue vererben.
Neben Neuwerdung durch diese Sprungvariationen müs- sen wir auch das Vorkommen von natürlichen Kreuzungen annehmen, wodurch Eigenschaften verwandter Spezies auf ge- schlechtlichem Wege zusammengeführt und so im Laufe der Zeit konstante, neue Formen gebildet werden. Daß beim Zu- sammentreffen der Erbmassen mutierter Individuen besonders Aussicht vorhanden ist, ganz neue, lebensfähige Formen oder Eigenschaften in die Erscheinung treten zu lassen, dürfte ein- leuchten, ebenso, daß sehr häufig durch Mutation Nicht Lebens- kähiges entsteht und daher wieder verlischt.
Vergleicht man die Körner, welche Funde prähistorischer Zeiten uns übermitteln, mit denen des Mittelalters oder gar unserer Zeit, so sehen wir, welchen gewaltigen Fortschritt die Entwicklung der vier Hauptgetreidearten durchgemacht haben müssen. Würde man beispielsweise auch unter günstigen Bo- den- und Düngungsverhältnissen eine der wilden Stammfor— men unseres Getreides heute anbauen, so würden wir nur einen Bruchteil von dem auf derselben Fläche ernten, was unsere heutigen Zuchtsorten bei gleichem Aufwand leisten. Dieser gewaltige Fortschritt ist das Ergebnis jahrtausende— langer, zunächst unbewußter, später bewußter Verbesserung der vom Menschen in Kultur genommenen Pflanzen.
Am augenfälligsten wird uns die Leistung unserer heu- tigen Kulturrassen und Sorten, wenn wir die Entwicklung ihrer Erträge oder sonstigen Qualitätsleistungen im verflos- senen Jahrhundert ins Auge fassen. Schilderte ich bisher, wie die Inkulturnahme allein und dadurch bedingte unbe- wußte Auslese bereits im Laufe der Zeit Form und Leistung der Kulturpflanzen beeinflußte, so möchte ich nunmehr an der Hand einiger Beispiele zeigen, welchen Weg zielbewußßte
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