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beginn ohne Vergrößerung der Anbaufläche die Getreideernte sich von 11 auf 28 Millionen Tonnen hob und der Kartoffel- und Rübenertrag sich auf das Dreifache steigerte. Welchen Anteil im einzelnen verbesserte Bodenkultur oder Düngung oder Pflanzenzüchtung hieran haben, läßt sich nur schätzen, man dürfte kaum fehlgehen, wenn man den Einfluß des An- baues von Zuchtsorten an der Ertragssteigerung auf minde- stens ein Drittel annimmt. Während die Fortschritte im Acker- bau allein durch die ständig augenfälliger werdende Anwen- dung von Maschinen und die Bedeutung der künstlichen Düngung durch das Anwachsen der chemischen Industrie in weitesten Kreisen der Bevölkerung bekannt wurde, hat sich die Pflanzenzüchtung in aller Stille vollzogen und haben sich ihre Auswirkungen unbemerkt eingestellt. Ich möchte daher einmal versuchen, den Vorhang, hinter dem sich die Tätig- keit des Pflanzenzüchters verbirgt, zu lüften. Bevor wir einen Blick in seine Werkstatt tun, wird es notwendig sein, auch rückwärts zu schauen und uns zu vergegenwärtigen, welche Wege die Entwicklung von der Wild- zur Kulturform ge gangen ist, von welchem Zeitpunkt an man von einer Pflan- zenzüchtung sprechen kann und wie sie vor sich geht. Wir werden daraus Schlüsse ziehen können, was wir von der Pflanzenzüchtung noch zu erwarten haben. Dabei werden Streiflichter auf die Bedeutung fallen, welche die Schaffung neuer oder leistungsfähiger Kulturpflanzen für die gesamte Wirtschaft hat.

Seitdem der ursprünglich sammelnde Mensch bewußt Pflanzen in Kultur genommen hat, von denen ihm Teile wie die Körner von Gräsern z. B., unseren Getreiden wert- voll für seine Ernährung geworden sind, hat sich an diesen Pflanzen nach und nach eine große Veränderung eingestellt. So haben die meisten Wildformen unserer Getreide eine brüchige Spindel, locker sitzende kleine, von einer starken Hülle umgebene Körner, die bei der Reife leicht abfallen. Nur solche Formen konnten dem Menschen auf die Dauer von Nutzen sein, die genügend groß und daher das Sammeln lohn- ten, also auch bei der Reife noch in der Xhre haften blieben.

Die Körner solcher Pflanzen lieferten das Saatgut für den, wenn überhaupt, dann höchst kümmerlich zurechtgemachten Boden in nächster Nähe der Wohnstätten. Die Abfälle dieser