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hunderts, im frühen Quäkertum und im mystischen Pietismus. Die Gesetzlichkeit dient als Bestätigung und Schutz der eigenen Innerlichkeit und umschließt zugleich mit unechter Fessel die in der Mystik so schwer bedrohte Gemeinschaft. Sie ist darum das Kennzeichen der dauerhafteren Gruppenbildungen, zu denen es die— Freilich nicht mehr reine— Mystik im Protestautis- mus gebracht hat, der Täufer, Quäker und pietistischen Gemein- schaften. Dagegen ist die Auflehnung gegen ein bindendes Gesetz aus der Freiheit des Geistes notwendigerweise der Anspruch Ein- zelner. Sie ist eine auf protestantischem Boden besonders be- greifliche Bildung mystischen Geistes. Denn der Protestantismus versteht sich selbst gegenüber der katholischen Lehre wie Paulus gegenüber dem Judentum als den Schritt vom Gesetz zur Freiheit. Es ist kaum zu verwundern, daß in der mystischen Uberlieferung immer wieder einmal die radikale Verwerfung des Gesetzes zu- gunsten der individuellen Erleuchtung gefolgert wird. So fließt ein Strom antinomistischen Denkens vom deutschen Täufertum über holländische Konventikel in englische Sekten und den deut- schen Pietismus. Gesetzlichkeit und Gesetzlosigkeit, Entsagung und Erfüllung sind aber genau besehen nur zwei Darstellungs- formen der gleichen Sache: des Eingehens in die eigene Innerlich- keit. Gleichviel ob man sie mit dem strengsten Gesetz von den verwirrenden Dingen der Welt abschließt oder aus ihr die Kraft empfängt, das Leben und die Welt nach individueller Schau zu gestalten, beides ruht auf der Gewißheit unvermittelter Begeg- nung mit Gott auf dem Grunde der Seele. Freilich— so heißt der protestantische Einwand— die Schau bleibt leer; die beiden Lebensgestaltungen, die aus ihr gewonnen werden, zeugen wider- einander.
Der Vorbehalt des Protestantismus gegen die Mystik ist immer der gleiche. Wo sie Gott auch finden mag, in der Natur, im Seelengrund, im Blut, im Kultus, ist Gott für protestantischen Glauben verborgen und der ersehnten Begegnung nicht ge- radewegs zugänglich. Die bestrickende Unmittelbarkeit der Mystik ist ihre Unwahrheit. Gott ist dort, wo sie ihn sucht, in eine Wirk- lichkeit verhüllt, die sie nicht ernst nimmt. Sie sieht weder die ganze Wirklichkeit der Natur, die es, zerrissen und todumfangen wie sie ist, nicht möglich macht, daß der Mensch sich in ihr in trunkener Seligkeit aufgibt. Noch sieht sie den wirklichen Men-


