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schen, dessen eigene Seelentiefe ebenso wenig dazu angetan ist, ihm Geborgenheit und Gegenwart Gottes zu schenken. In dieser verschiedenen Deutung des Daseins, nicht einem abstrakten Gottes- bilde liegt der wesenhafte Unterschied.
In jeder echten Religion ist das Gottesbild nicht eine for- male Theorie, sondern der tiefe, tragende Untergrund ihres Bildes vom Leben und der Wirklichkeit selbst. Darum ist schließlich aber auch das Gottesbild tief verschieden. Wie die Persönlich- keit, das Ich des Menschen, so löscht die Mystik auch den persön- lichen Willen des Schöpfers aus. Beides entspricht sich genau. Sie sucht ihn im flutenden Leben, das ihn doch nach lutherischer Anschauung nie hergibt. Dagegen ist bei Luther die weltdurch- waltende, naturdurchströmende Gegenwärtigkeit Gottes mit dem Personhaften zu einer Einheit verbunden, in der keiner der beiden Züge von dem anderen gelöst werden kann. Im All, das er durch- dringt, bleibt er doch verhüllt. Erkennbar wird er nur dort, wo er sich dem Menschen als Wille personhaft zuwendet mit seinem, jeden ernsten Menschen zerschmetternden, Gebot der unbedingten Liebe und seiner aufrichtigen Güte in Jesus Christus.
Dieses Gottesbild ist gebunden an die Frage, die nach der Uberzeugung Luthers in jeder Mystik ungelöst bleibt, die Frage der Schuld. Sie durchschlägt radikal die traumhaft schöne Auflösung des Ich in dem übermächtigen Leben der Natur. Sie kommt in dem Menschen, der um Verantwortung weiß, auch dort nicht zum Schweigen, wo er sich des eingeborenen Adels seiner Seele trösten möchte. Der Mystiker kann sie höchstens abstreifen. Aber wir sahen, er streift damit zugleich sein Ich ab, aus dessen Geschichte nichts gestrichen werden kann. Mit dem echten Per- sonsein des Menschen ist das Ernstnehmen der Schuld untrenn- bar verbunden. Und echte Person wird der Mensch erst dort, wo er sich von Gott gefordert, und damit angesprochen weiß.
Die Aufgabe des theologischen Historikers ist erschöpft, wenn er versucht hat, den Wesensunterschied der beiden Reli-
gionsformen, des Protestantismus und der Mystik aufzudecken.
Er kann damit nur noch zu der Einsicht anleiten, warum der Protestantismus gegen jeden Versuch, ihn zu einer Reformation aus dem Geiste der Mystik zu überreden, einen harten und ent-
schlossenen Grenzkampf führen muß. Die Wiedergeburt, deren er bedarf, kann ihm nur aus den Quellen seines eigenen Wesens
und dem Gesetz seiner eigenen Sendung kommen.


