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der Urstand aller Geister. In seltsam mythologischer Form, aber mit tiefem Sinn gewinnt er aus dem doppelten Gottesbilde, das die unverhüllte Natur dem Blick darbietet, die zwei Urkräfte, die sie bewegen: den glühenden Liebeswillen und den sie fürchter- lich durchwaltenden göttlichen Zorn. Aber beide sind in letzter Einheit in Gott aufgehoben.Alles, was in der Natur läuft, das quälet sich; was aber der Natur Ende erreicht hat, das ist in Ruhe ohne Qual. Alles was in der Natur Angst und Streit macht, das macht in Gott eitel Freude. Böhme überwand mit jener lutherischen Schau die neuplatonische Schein wirklichkeit der Mystik vor ihm. Der Zusammenklang von Luther und Paracelsus in ihm hätte so absonderlich seine stammelnden Spekulationen sein konnten dem deutschen Geist die reichsten Aufgaben ge- stellt. Aber die Nachwelt sog nur die Schalen aus. Und als die Romantik ihn wieder zum Leben erweckte, entnahm sie ihm nur spielerische Geheimnisse für ihre eigene ungefährliche Schau der Natur.

Diese Zwischenbildung in Jakob Böhme ist darum so be- wegend, weil hier durch die Macht der Lutherschen Naturbe- trachtung die Mystik an den Rand ihrer selbst getrieben wird. Selbst wenn sie sich noch einmal in der gewaltigen Anstrengung einer kühnen mythischen Schau fängt, so wird sie doch im Grunde durch diesen Sprengstoff auseinandergetrieben. Sie weist darum besonders eindrücklich hin auf die tief verschiedene Deutung der Natur im Protestantismus und in der Mystik.

Der Deutung der Natur entspricht genau das verschieden- artige Verständnis des menschlichen Daseins. So wie der Mensch, gleichmütig gegen die Zerrissenheit und die Widrigkeit in der Natur, ihren tiefen, einheitlichen Grund in seine Seele trinken soll, so soll er gelassen hindurchwandeln durch Kampf und Leid dieses Daseins. Denn das alles ist das Unwesenhafte, dasaufhält und beschwert, das Unwirkliche neben der Wirk- lichkeit des göttlichen Seins, das sich einem gesammelten Sinn erschließen will. Unempfindlich geworden gegen alle irdischen Werte und Verluste, wird er der überfließenden Seligkeit der Einswerdung gewürdigt. Alle Erdenfesseln, nach Meister Eckhart auchnatürliche Minne und Neigung zu Vater und Mutter, Bru- der und Schwester, müssen fallen.Man soll im Grunde tot sein, daß uns weder berühre Liebe noch Leid, spricht Eckhart die zeitlose Weisung aller Mystik aus. Die Mystiker der Refor-