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Weltbild gebunden wäre, daß er in den naiven Vorstellungen be- fangen wäre, mit der eine frühe Phantasie der Menschheit Gott auf den ersten Blättern der Bibel menschenähnlich schaffen, reden und handeln läßt. Gewiß haben zu allen Zeiten primitive Gemüter und theologische Stümper diesen falschen Anschein er- wecken können. In Wirklichkeit aber hat Luther ein völlig an- deres Bild von Gott und Welt hinterlassen. Es gebrach nur der Orthodoxie und noch mehr der Aufklärung an Mut und Kraft, es zu bewahren. Auch die Mystik könnte die Durchdringung der Natur durch Gott nicht inniger ausdrücken, als Luther es getan hat.Er muß in einer jeglichen Kreatur in ihrem Allerinwendig- sten, Auswendigsten, um und um, durch und durch, unten und oben, vorn und hinten selbst da sein, daß nichts Gegenwärtigeres noch Innerlicheres sein kann in allen Kreaturen denn Gott selbst mit seiner Gewalt.Nichts ist so klein, Gott ist noch kleiner, nichts ist so grob, Gott ist noch größer, nichts ist so kurz, Gott ist noch kürzer, nichts ist so lang, Gott ist noch länger, nichts ist so breit, Gott ist noch breiter, nichts ist so schmal, Gott ist noch schmäler. Weder Meister Eckhart noch der Cusaner mit seiner Lehre, daß in Gott das Unendlich-Größte und das Unend- lich-Kleinste zusammenfallen, noch Giordano Bruno, der ihn zu- gleich im Universum wie in der Monade findet, haben das Insein Gottes in der Welt mächtiger ausgesagt als Luther. Seine Ge- danken über das Verhältnis Gottes zum Raum, vor allem über den Unsinn der räumlichen Himmelsvorstellung, gehen nicht nur weit über das hinaus, was die anderen Reformatoren, sondern auch über das, was die Mystiker und Philosophen seiner Zeit darüber ersannen. Der Widerspruch Goethes gegen den Gott, der nur von außen stieße, im Kreis das All am Finger laufen ließe, für den Gott, dem es ziemt,die Welt im Innern zu be wegen, Natur in sich, sich in Natur zu hegen, deckt sich in der Sache genau mit Luthers Schau von Gott und Welt. Wir ver- greifen uns nicht im Maß, wenn wir das sagen. Glühender kann man das Leben Gottes in der Natur nicht schildern als Luther die alles durchpulsende Allmacht Gottes. Inniger kann man Gott nicht in der Natur denken, als Luther ihn im Korn und Blatt, im Stein, Feuer und Wasser wußte. Luther hatte damit dem Protestantismus die Möglichkeit geschenkt, mit der modernen Naturerkenntnis zu einer freien und fruchtbaren Begegnung zu kommen. Statt sie zu nützen und weiter zu denken, griff ein