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Empfinden der Zeit den Mund, richtet aber zugleich den Blick hinweg von dem Traumbilde der harmonischen Schönheit des Kosmos auf die Zerrissenheit und den Kampf, der in ihr ver- borgen ist. Auf dem Wege über Spinoza und Shaftesbury bricht jenes überschwängliche Gefühl für die in ihrer unendlichen Viel- alt einheitliche, von Gott durchatmete Natur in das deutsche Geistesleben ein. Es ergreift den jungen Goethe mit wahrhaft mystischer Gewalt und bleibt sein Leben hindurch der stete, stille Grund, aus dem er lebt und denkt. Unter seinen Händen wird es wieder zu der„heiligen Religion“, die es für Giordano Bruno gewesen war. Es klingt mit einem wieder um sich wissenden religiösen Empfinden voll ineins im jungen Schleiermacher, der die Geburt der Religion in diesem Erlebnis beschreibt:„Ich liege am Busen der unendlichen Welt: ich bin in diesem Augenblick ihre Seele, denn ich fühle alle ihre Kräfte und ihr unendliches Leben, wie mein eigenes; sie ist in diesem Augenblick mein Leib, denn ich durchdringe ihre Muskeln und ihre Glieder wie meine eigenen.“ Der romantische Schleiermacher— der älter gewor- dene ging dann z. T. andere Wege— eint mit der Naturmystik die Uberzeugung einer die Welt tragenden Liebe; eine Uber- zeugung, die dieser Mystik bis in ihre neuplatonischen Wurzeln hinein stets eigen war, aber nun als das eigentlich christliche Ver- ständnis der Religion besonders eng mit ihr verknüpft wird. Seit Goethe, Schleiermacher und der Romantik ruht das religiöse Bewußtsein weiter, vor allem der gebildeten Volksschichten, auf zwei Pfeilern: auf einer Naturmystik und auf dem Glauben an Vernunft und Güte, die im Grunde des Weltalls wohnen und dem Gang der Natur und Geschichte einen guten Sinn verheißen. Die Mystik selbst kann blasser, nur nach ihrem gedanklichen Nieder- schlag, oder glühender, bis zum kosmischen Monismus erfahren werden. Sie öffnet in jedem Falle einen zauberhaft schönen, immer wieder unbeschreiblich reizvollen Weg zu dem Gott, der den Menschen bedrängend mächtig und allgegenwärtig umgibt.
Man muß diesen Reiz kennen, um zu ermessen, was es be- deutet, daß der protestantische Glaube diese Deutung der Natur und damit Gottes für Schein und Unwahrheit erklärt. Es ist freilich notwendig, die Begründung dazu sehr sorgfältig zu erforschen, da hier weithin gefährliche Mißverständnisse ob- walten. Der Gegensatz gegen die mystische Naturschau liegt nicht etwa darin, daß der Protestantismus an ein vorkopernikanisches
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