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stantismus wird sie sich selbst nicht berufen wollen: auf die Mystiker und Sektenstifter des 16./ 17. Jahrhunderts: Schwenck- feld, Weigel, Böhme u. a. oder auf die radikalen Pietisten, bei denen von wirklicher Mystik gesprochen werden kann, oder auf den jungen Schleiermacher. Denn all diesen Versuchen haftet deutlich die Schwäche an, daß sie zur Gemeinschaftsbildung un- fähig waren und auf der kirchlichen Linie die entscheidenden Schritte zur Individualisierung des Menschen bedeuteten. Das jst der geschichtliche Tatbestand, nach dessen tieferen Gründen wir erst später fragen werden. Da die Mystik heute mehr denn je die Gefahr der Vereinzelung des Menschen und der Auflösung des Gemeinschaftsbewußtseins vermeidet und vermeiden muß, scheiden diese geschichtlichen Erscheinungsformen protestan- tischer Mystik als Zeugen für ihr Wollen aus.

Wenn die Geschichte uns ein eindeutiges Urteil über das Verhältnis von Protestantismus und Mystik versagt, so bleibt allein die Aufgabe, es aus der Wesens bestimmung beider selbst in freiem Gebrauch ihrer geschichtlichen Erscheinungs- weisen zu entwickeln. Wir tun es so, daß wir sie nicht etwa über eine abstrakte theologische Regelrichtigkeit, sondern über ihre Deutung der Wirklichkeit befragen.

Wir fragen zuerst nach ihrer Deutung der Natur. Denn sie ist für die Mystik der Neuzeit, sofern sie sich überhaupt von Reizen der Sinnenwelt anregen läßt, die reichste Quelle. Man kann sagen, daß in der modernen Zeit die Naturmystik etwa den Raum erfüllt, den die Kultusmystik der hellenistisch-orientali- schen Mysterien in der antiken Welt und bis tief hinein in die römische und noch mehr in die griechische, vor allem die rus- sische Kirche hinein besaß. Sie entfaltete sich in dem Maße, in dem der Mensch sich von der dogmatischen Bevormundung durch Aristoteles und die mittelalterliche Kirche in seinem Naturgefühl Treimachte; im Italien der Renaissance eher als in Deutschland. Während sich in Giordano Bruno bereits ein rauschhafter Un- endlichkeits-Pantheismus verströmt, haften die Mystiker in Deutschland noch steif an den antiken Vorstellungen über die Ein- wirkung der Gestirne und an alchemistischem Zauberkram. Sie vermögen die auch hier schon bereit liegenden Begriffe des Cusaners und des Paracelsus noch nicht mit Anschauung und Lebensgefühl zu durchwärmen. Erst Jakob Böhme öffnet dem