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seines eigenen, bitter einsamen Erlebnisses für ihn gewesen. Als er beide 1516 kennen lernte, war er bereits zu allen wesentlichen Erkenntnissen durchgebrochen. Nur mit der romanischen Mystik des Mittelalters hatte er sich eine Zeit lang ernsthaft eingelassen. Es ergriff ihn freilich tief, daß es solche deutschen Theologen wie Tauler und den Frankfurter bereits unter dem Papsttum in der Verborgenheit gegeben habe. Nicht anders als es ihn erschüt- terte und zugleich sicherer machte, als er 1519 in dem Ketzer us einen Märtyrer des Evangeliums fand. Wenn er sie wie später Hus als Zeugen seiner Wahrheit anrief, dann geschah das bei aller wirklichen Berührung doch zugleich unter dem Gesetz, das ein großer Mann Geister der Vergangenheit an sich ansaugt und ihnen mit übermächtiger Kraft einen Sinn abzwingt, der ihre geschichtliche Sendung weit übertrifft. Ebensowenig ist die Re- formation als Volksbewegung aus dem Samen der deutschen Mystik erblüht. Es wird meist übersehen, daß die mittelalterliche Mystik eine Klosterbewegung war, die nur in ihren letzten, flach- sten Wellen breitere Ufer bespülte. Nur Mönchen und Nonnen war gemeinhin die Muße beschieden, die die mystische Beschau- ung erforderte. Keine große geschichtliche Gestalt der Mystik gibt ihr Geheimnis billig her, jede verlangt eine Kraft der Sammlung, die nur wenige aufbringen. So ist die deutsche Mystik über die Kreise von Klosterleuten und Klerikern, Beghinen und Begharden nur selten und nur als eine Vereinfachung und Ver- innerlichung der kirchlichen Predigt hinausgedrungen. Statt, wie man oft meint, das katholische Dogma zu erschüttern, hat sie es den von ihr Berührten vertraulicher gemacht und es damit. dem deutschen Volke noch eine Weile tragen helfen. Die Form, in der sie in weitere Schichten drang, Predigten und Andachls- literatur, Gebetbüchlein und„Seelengärtlein“ durchzog, war ohnehin ihre weichste: die Jesusminne und Leidenswonne des Bernhard von Clairvaux, der Mystikerinnen, des weiblichsten der großen deutschen Begnadeten: Seuses, des Thomas von Keinpen. Und von der Glut der Anfänger waren diese späteren volks- mäßigen Gestaltungen schonsam entfernt. Revolutionäre Kraft be- saß die deutsche Mystik des Mittelalters nicht. Es bedurfte anderer Energien, um die Revolution Luthers zur Entladung zu bringen.
Der Anspruch der heutigen Mystik auf die Fortbildung der Reformation aus dem Urheberrecht versagt also vor dem Spruch der Geschichte. Auf andere Einbrüche der Mystik in den Prote-


