deren er sich rühmt, dadurch erbringen, daß er jetzt heimfindet zu der echt germanischen Versenkung in das geheimnisreiche Leben der Natur. Vernehmbarer noch klingt heutigen Tages eine andere Stimme der Mystik: Hörst du nicht das Rauschen deines Blutes und in ihm den dich durchpulsenden Gott? Um Alfred Rosenberg anzuführen:„Das Kämpfen des Blutes und die ge- ahnte Mystik des Lebensgeschehens sind nicht zwei verschiedene Dinge, sondern stellen ein und dasselbe auf verschiedene Weise dar.“„Rassengeschichte ist Naturgeschichte und Seelenmystik zugleich.“„Die Ruhe des nordischen Menschen ist Sammlung vor der Tat, ist Mystik und Leben zugleich.“ Und schließlich: Wer in dieser Religion des Blutes sein eigenes Sehnen nicht ge- stillt findet, bekennt sich vielleicht zu jener versonnenen Inner- lichkeit und Versunkenheit in den Abgrund der eigenen Seele, die in Meister Eckhart, Angelus Silesius oder Rilke Wort ge- worden ist.
Aber gleichviel, ob Naturmystik, Blutsmystik oder Seelen- mystik— um nur diese drei großen Formen als Beispiele zu ge- brauchen—, in allen lebt das gleiche Urgeheimnis der Mystik: ein unmittelbares Innesein Gottes, das nicht des Wortes, der Offenbarung, des Gedankens bedarf. Alle Wege der Mystik föbhren zu diesem Ziel. Sie mag ausgehen von äußeren Reizen, von den verwirrenden, berauschenden Stimmen der Natur oder von den Geheimnissen eines uralten Kultus wie in der katho- lischen Mystik, oder sie mag jene Reize verschmähend sich ohne Bild und Symbol allein den unanschaubaren Werten der Inner- lichkeit zuwenden wie etwa bei Meister Eckhart: das Ziel ist die gleiche Innigkeit der Gottesgewibheit. Ihr Weg führt vorbei an den Zweifeln des Verstandes, die durch kirchliche Lehren er- zeugt werden, vorbei an den Gewissensängsten der Menschen, die um das Gesetz des Handelns ringen und von Schuld reden, in eine Sicherheit des Erlebens, vor der alle diese Sorgen wesenlos werden. Bestrickend unmittelbar kennt die Mystik die Berührung mit Gott in der abgründig tiefen und schönen Welt oder im Adel der Menschenseele.
Es ist nicht zu verwundern, daß sich seit den Anfängen der Reformation wieder und wieder die Frage erhoben hat, ob die Mystik nicht die folgerichtige Fortbildung und die Vollendung der evangelischen Botschaft sei. Der Ruf nach einer neuen Re- formation erklingt seit den frühesten Tagen der lutherischen


