Einzelbild herunterladen

Verehrte Gäste!

Kollegen! Kameraden!

Jahr um Jahr darf die Landesuniversität an ihrem Stiftungs- a tage mit großer Freude ihre Schützer und Freunde, Schüler und Gäste um sich sammeln, um von ihrem Tun Rechenschaft ab- zulegen. In einem so schicksalsvollen Jahre, in dem die an sie gestellten Anforderungen härter waren als in anderen und die Fragen ihres Lebensrechtes und ihrer Volksaufgabe strenger ge- stellt sind als je, ist es ihr ein besonderes Bedürfnis, diese öffent- liche Verantwortung zu leisten. Ich begrüße Sie alle darum mit herzlicher Freude und aufrichtigem Dank für Ihr Erscheinen.

Wenn es nach altem akademischem Brauch die erste Pflicht des Rektors ist, aus seinem Fachgebiet ein Beispiel der wissen- schaftlichen Arbeit der Universität zu geben, so muß er sich in einem solchen Jahre bewußt sein, daß seine Aufgabe nicht be- schauliche Betrachtung und bloßer Rückblick sein kann. Sie wol- len es daher mir als Kirchenhistoriker erlauben, wenn ich mit Begriffen und Beispielen, die der Geschichte entnommen sind, im Rahmen dieser kurzen Stunde diejenige Frage anzugehen ver- suche, die mir hinter den religiösen Kämpfen der Gegenwart in ihren breitesten, nicht ihren innerkirchlichen, Fronten verborgen zu sein scheint:

Protestantismus und Mystik.

Nicht vergangene Mächte wollen wir beschwören. Sondern wir hören es als die Frage deutscher Menschen der Gegenwart, ob nicht in der Natur, in der befreienden Kühle des Morgen- windes, in der stillen Glut des Sommerabends, der königlichen Reinheit des Hochgebirges oder der schwermütigen Ruhelosig- keit des Meeres die Gottheit unmittelbar genug zu uns spricht, daßb wir alle Gedanken und Bilder, die wir uns von ihr machen, getrost darüber fahren lassen sollten. Der Protestantismus, 80 meinen viele, sollte den Beweis seiner deutschen Abstammung.