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ist sie zuerst als epidemische Erkrankung beschrieben. O li- verius Scholasticus berichtet in der Historia Damiatina, welche den Feldzug Johannes von Brienne nach Agypten und die Kapitulation der Kreuzfahrer in Damiette im Jahre 1221 n. Chr. überliefert, daß am Schlusse der Belagerung die ausgehungerten Kreuzfahrer des Nachts nicht mehr imstande waren, Wache zu halten und den herankommenden Feind zu be- kämpfen. Dasselbe berichtet de la Jonquière aus dem Feld- zuge Napoleons in Agypten, in dem vier Tage vor der Schlacht bei den Pyramiden unter den schlecht ernährten französischen Soldaten sich eine Nachtblindheit ausbreitete; eine aus- kührliche Schilderung des Leidens verdanken wir dem Franzosen Robert, Chefarzt eines Militärlazarettes während der Belage- rung der Insel Malta durch die englische Flotte in den Jahren 17981800. Die Erkrankung befiel die mangelhaft ernährte Besatzung verschiedener Forts und machte sie unfähig, des Nachts die Wälle zu besteigen. Aus vielen Kriegsgeschichten und Belagerungsberichten lassen sich ähnliche Angaben herausfinden, aber auch in Friedenszeiten ist diese typische Ernährungskrank- heit epidemisch beobachtet, besonders in Rußland, wo zur Zeit von Mißernten die Bevölkerung ganzer Provinzen an Nachiblind- heit erkrankte. Es war klar, daß bei der vielfachen nächtlichen Betätigung der Soldaten im modernen Krieg eine solche Störung die Schlagfertigkeit der Truppe erheblich gefährdete, und ernste Besorgnisse unserer Heeresleitung waren berechtigt, als im Jahre 1915 bereits hier und da vereinzelte Berichte über das Vor- kommen von Nachtblindheit auftauchten. Es wurden sofort überall Sammelstellen für Nachtblinde errichtet und durch fachmännische Untersuchung jedesmal festgestellt, ob wirklich die gefürchtete Ernährungskrankheit vorlag oder ob die ange— gebene Sehstörung durch anderweitige lokale oder allgemeine Irkrankungen bedingt war, die erfahrungsgemäß auch mit Stö- rungen der Dunkelanpassung der Augen einhergehen. Da die Wissenschaft schon vor dem Krieg als Ursache der epidemischen Nachtblindheit den Mangel bestimmter Vitamine aufgedeckt halte, war es möglich, durch qualitative Anderung der Ernährung der Truppe rechtzeitig die große Gefahr zu bannen. In der Tat isl es trotz der quantitativ, wie wir wissen, leider oft unzu- reichenden Verpklegung unserer Soldaten dann auch an keiner Stelle der Front zu einer größeren Epidemie gekommen.


