Einzelbild herunterladen

6

5

trachtete. Einer der berüchtigtsten dieser reisenden Starstecher, durch die mehr Augen verloren gingen als Sehkraft wieder- gewonnen wurde, war der Engländer Taylor, der alle euro- päischen Länder bereiste und unter marktschreierischen An- preisungen seiner Kunst die Erblindeten an sich heranzuziehen suchte. Friedrich der Große hat nach dem Zeugnis der Memoiren der Markgräfin von Anspach diesen Mann aus Preußen ausweisen lassen, wobei er ihm schreiben ließ: Wenn er sich untersteht, an das Auge eines meiner Unter- tanen zu rühren, so lasse ich ihn aufhängen, denn ich liebe meine Untertanen wie mich selbst.

Wohl war am Ende der Renaissance durch Johannes Kepler eine neue und richtige Theorie des Sehens aufgestellt (1604), auch die Dioptrik des Auges zum ersten Male richtig beschrieben worden, aber erst im 18. Jahrhundert begann für die Augenheilkunde ein langsamer Wiederaufstieg, der im all- gemeinen verknüpft war mit der neuen Lehre vom grauen Star und der Methode der Extraktion der Linse an Stelle des von der Antike übernommenen Starstichs. Schon 1656 hatte der Jenenser Anatom Rolfinck den Sitz des Stares in der Linse selbst nachgewiesen durch anatomische Untersuchung der geöffneten Augen Verstorbener. Er betonte dabei ausdrück- lich, daß er damit die Lehre des Pariser Arztes Quarré be- wiesen habe, aber erst 50 Jahre später gelang es dem Franzosen Brisseau, die Welt von der Richtigkeit dieser Anschauung zu überzeugen, die dann langsam an Boden gewann. Einem anderen französischen Arzt, Jaques Daviel, gebührt das Ver- dienst, die Aus ziehung der getrübten Linse aus dem Auge allgemein eingeführt zu haben. Erst seit dieser Zeit wandte sich die medizinische Wissenschaft wieder in vollem Maße der so lange vernachlässigten Augenheilkunde zu, die da- durch schnell den Händen der Laienbehandler entglitt. In allen europäischen Ländern erstanden nun wieder angesehene Augen- ärzte und wie vor 4000 Jahren an den Höfen der Pharaonen in Agypten, so lebten in der zweiten Hälfte des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Augenärzte an den Höfen der europäischen Könige und wurden Hofokulisten genannt.

Daviel selbst war Hofokulist in Paris, Thomas Wool house in London am Hofe Wilhelms III. und Jacobs II. von