mit Recht schreibt der Chronist:„dab der Name der Araber nicht bloß mit unauslöschlichen Zügen an den Sternenhimmel geschrieben ist, sondern auch von den Denksteinen der augen- örztlichen Wissenschaft und Kunst niemals verschwinden wird.“ Auf den Grundlagen der griechischen und römi- schen, von den Arabern uns überlieferten Heilkunde baute sich im Mittelalter zunächst die Mönchs-Heilkunde in den Klosterschulen auf. Sie leistete nicht viel, erst die Laien-Arzte der Schulen von Sälerno in Unteritalien, von Mont- pellier in Südfrankreich brachten die Medizin und auch die Augenheilkunde wieder auf eine gewisse Höhe. Ludwig IX. errichtete im Jahre 1260 das erste Blinden as y! in Paris nach seiner Rückkehr aus Palästina zur Erinnerung an 300 französische Ritter, die im Morgenlande ihre Augen verloren hatten. Diese Anstalt existiert noch heute. Aber vielfach wurde die augenärztliche Praxis auch von Laien ausgeübt, die gleich- zeitig Chirurgie betrieben, was in Frankreich Z. B. 13711 durch König Philipp IV. allen denjenigen verboten wurde, die nicht ärztlich geprüft waren. In dem berühmten Lehrbuch aus jener Zeit, dem des Guy de Chauliac, heißt es in der Ein- leitung,„daßb niemand Augenoperationen unternehmen soll, der nicht fein- und scharfsinnig, mit klarem Blick und sicheren Händen begabt sei und einen Anderen hat operieren sehen.“ Trotzdem hat gerade bei uns in Deutschland, aber auch in anderen Ländern Europas im späteren Mittelalter eine Abwendung der gelehrten Xrzte von der Augenheilkunde statt- gefunden. Selbst Paracelsus, der große Reformator des 16. Jahrhunderts, hat für unser Gebiet nichts geleistet. Wenn anfangs noch die Chirurgen die Ophthalmologie betrieben, so sank sie allmählich auch bei uns in die Hände von Laien- behandlern herab, die in der Hauptsache sich auf die Operation des grauen Stars beschränkten und als sogen. ‚„Starstecher“ ihr Gewerbe im Umherziehen ausübten. Erstaunlich ist dabei, daß immer noch an dem Glauben der Antike festgehalten wurde, der graue Star sei keine eigentliche Trübung der Linse des Auges, sondern ein grauer Erguß einer Flüssigkeit in die Pupille. Man glaubte diese geronnene Flüssigkeit, welche sich vor die Linse gelegt habe, beim sogen. Starstich in den Glaskörper versenkt und damit die Linse wieder frei gemacht zu haben, die man als das eigentliche Organ des Sehens be-
6


